Er ist der Kandidat der Herzen und seine Ansprache hat alle Erwartungen erfüllt: Direkte knorrige menschliche Wärme und Klarheit. Ein Mann, der nicht aus dem parteipolitischen Establishment stammt, ist jetzt genau das richtige Signal, denn die Hauptaufgabe lautet, den Bürger und die Bürgerin wieder als den eigentlichen Souverän auf die Bühne zu bringen.
Ein Bürgerrechtler ohne Parteibindung als Bundespräsident ist genau das, was jetzt Deutschland braucht, denn die Spannungen und die Entfremdung zwischen der politischen Klasse und dem Bürger hat bereits bedenkliche Dimensionen. Es ist das richtige Signal.
Und Gauck hat mit seiner kurzen Ansprache alle Erwartungen erfüllt: Man dürfe sich nicht gleich eine Grundsatzrede erwarten, so Gauck, und hatte sie dann doch en passant gegeben: Ungewaschen, wie er sagte, aus dem Taxi raus, rein zur Bundespressekonferenz, gesteht er Gefühle der Verwirrung und Freude ein, sieht sich nach wie vor als reisender Politiklehrer in Sachen Demokratie und Freiheit. Seine Themen, sind die Themen der Zeit. Er sei kein Supermann, er werde wohl Fehler machen, aber es braucht keine Engel, um großes zu bewirken, es reichen gute Menschen. Bescheidenheit, aber keine Unterwürfigkeit. Vom "Bürgerpräsidenten" zum Bundespräsidenten.
„Die Vorschusslorbeeren, die ich gehört habe, möchte ich mir erst verdienen.“, so Gauck am Sonntag zur Annahme seiner Kandidatur auf der Bundespressekonferenz. Und für diese unprätentiöse Bescheidenheit wird er zu recht geschätzt; dies macht seine Integrität aus.




