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Donnerstag, 17. Mai 2012 - Eine andere Information ist möglich!
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Griechenland und die Systemfrage


Berlin (28.9.11): Die Stimmen mehren sich, die da meinen, eine Pleite Griechenlands bis hin zum Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone sei gut, richtig und notwendig. Von Christian Neugebauer
Hintergrund dazu ist, dass zahlreiche Banken sich selbst de facto im Konkurs befinden, wenn sie die Schulden Griechenlands in ihren Büchern glatt stellen müssten. Sie seien, so geht die Mär weiter, systemrelevant und daher mit Milliarden zu stützen. Bis hin zur Verstaatlichung, wie man aus CDU-Kreisen mittlerweile vernehmen kann.

Also, um die Banken als systemrelevant zu retten, will man sogar die Verstaatlichung in konservativen und bisher für den freien Markt eintretende politische Kräfte. Es ist skurril und lässt daher vielleicht eine andere Motivationslage, eine andere Geschichte vermuten.


Stellen wir mal die umgekehrte Frage: Wofür braucht Griechenland – und mit ihm die anderen verschuldeten Staaten – eigentlich das Geld und die Milliardenhilfen? Sicher, es gibt einen Schlendrian und der bürokratische Sektor ist mehr als aufgebläht. Doch dies macht nicht die Hauptlast der Schulden aus, sondern die Zinsenzahlung für die Staatsdarlehen, die stets steigen, weil Ratingagenturen feststellen, dass die Verschuldung zu hoch sei. Die Verschuldung ist so hoch, weil Griechenland für seine Anleihen sehr hohe Zinsen zahlen muss. Zinsen, die sich wiederum negativ auf die Verschuldung auswirken. Die Schulden werden höher und damit in der nächsten Finanzierungsrunde die Zinsen: Eine Negativspirale nach unten. Aber auch dies ist noch nicht die gesamte Geschichte.

Denn das Geld, welches Griechenland aufnimmt von den Banken, vulgo so genannten „freien Kapitalmarkt“, holen sich die Banken für Lau von der Europäischen Zentralbank bzw. FED, die, richtig, finanziert wird von den Staaten. Dieses billige Geld verleihen dann die Banken de facto ohne Aufwand an die Staaten weiter; nur halt mit einem fetten Aufschlag, sprich Zinsen. Also: Die Banken leihen den Staaten ein Kapital, welches die Staaten vorher der EZB gegeben haben und verteuern dies, um ihren durch den Staat subventionierten Profit zu sichern. Mehr noch, sie erhalten auch einen Rettungsschirm, falls es sich nicht ausgeht.

So kommt es, dass Griechenland aktuell rund 20 Milliarden an Zinsen zahlt. Würde Griechenland das frische Geld zu EZB Konditionen erhalten, dann wären es mal schlappe 2 Milliarden an Zinszahlungen für die Neuverschuldung, die Griechenland tatsächlich stemmen könnte.

Also, es stellt sich tatsächlich die Systemfrage, nämlich nicht, ob Griechenland weiter in der Euro-Zone bleibt oder Umschuldung oder drakonischer Sparkurs der richtige Weg seien, sondern ob die Banken noch zum System passen? Es stellt sich so die Systemfrage anders und die Debatte sollte nicht lauten, Griechenland raus aus der Euro-Zone und ähnliches mehr, sondern ob Banken weiterhin billiges Geld von den Staaten erhalten sollen, mit welchem sie dann mit dem OK der Ratingagenturen gegen eben jene Staaten wetten?!


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