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Propädeutisches zum Begriff Nachhaltigkeit


Berlin (18.1.12): Viel wird von Nachhaltigkeit gesprochen. Jeder versteht etwas anderes darunter. Der Begriff ist heiß umstritten und das ist auch gut so. Von Christian Neugebauer
Nachhaltigkeit ist eine gesellschaftspolitische, dynamische Kategorie und entzieht sich der technokratischen, statischen Definition. Bisher wird Nachhaltigkeit statisch und bewahrend aufgefasst. Ausgehend vom klassischen, statischen „Drei-Säulenmodell der Nachhaltigkeit“ (ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Säule) wird von mir erstens, die „Säule“ als Dimensionen konzeptionell vorgeschlagen und zweitens, der Bereich Kommunikation als die dynamische, Ganzheitlichkeit schaffende vierte Dimension gesetzt.

So sind Wendungen wie „Nachhaltigkeit gehört zur DNA des Unternehmens“ unsinnig und zutiefst statisch. Sie leisten einem reduktionistisch-biologistischen Denken Vorschub, das schon mehrfach die Menschheit in Unglück und Zerstörung gestürzt hat. Und selbst wenn man sich auf diesen „Biologismus“ argumentativ einlässt, wonach Unternehmen als naturhafte Wesenheiten vorzustellen seien, was sie gewiss nicht sind, dann blenden solche Positionen die Evolution aus wie auch ist ihnen die falsche Konzeption unterlegt, dass Gene statisch sind und alles bestimmen: Das ist einfach falsch.


Unter Kommunikation fällt der weite Bereich der Information bis hin zur Kultur in all ihrer Breite. Also, all das, was den Menschen in seinem besten Wollen, Streben und Vermögen vom Tier unterscheidet. Und dieses Beste im Menschen umfasst auch das Vermögen, die Schöpfung zu bewahren. Und zur Schöpfung gehört es, dass der Mensch frei und ohne Sünde geboren ist.

Dieses dynamische, vierdimensionale Modell der Nachhaltigkeit weist daher eine dezidiert politische Dimension auf: Realisierung und Orientierung an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Dieser Ansatz gewährleistet den 360 Grad Blick, da die Menschenrechte als Grundrechte alle für den Menschen relevanten Dimensionen abbilden und damit Basis für die Herstellung von Glück sind. So hat der Mensch beispielsweise ein Recht auf Bildung, ein Recht auf Gesundheit, ein Recht auf Religionsfreiheit oder ein Recht auf Meinungsfreiheit.

Dies meint auch, dass ein Auseinanderdividieren der Dimensionen nicht sinnvoll ist. Um dazu ein deutliches Bild zu setzen: Ökologisch vorbildlich zu wirtschaften, aber dies auf Grundlage von Sklaverei oder Kinderarbeit, ist nicht nachhaltig: Das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Teile; dies ist die wesentliche Grundrechnungsart für dynamische, lebendige Strukturen.

Nachhaltigkeit ist daher auch eine kooperative Modernisierungs- und Innovationsstrategie zur Herstellung von Zukunftsfähigkeit. Nachhaltigkeit heißt daher nicht ausschließlich nur die geschaffene Welt zu bewahren wie sie ist – statisches Konzept –, sondern eine bessere Welt für zukünftige Generationen zu schaffen und zu hinterlassen.

Grundlage und Basis einer jeden Nachhaltigkeitsstrategie ist der Einzelne, der Mensch. Daher ist auch ein jeder Einzelne verantwortlich für sein unmittelbares Handeln. Von daher ist eine nachhaltige Strategie nur realisierbar, wenn der Mensch sich glücklich fühlt und erkennt. Der glückliche Mensch ist Voraussetzung für die Wende zur Nachhaltigkeit und dafür braucht es Friede, Wahrheit und Recht . Im Zentrum der „360 Grad der Nachhaltigkeit“ steht daher der Mensch im besonderen und das Leben im allgemeinen.

All dies setzt Kommunikation als dynamische Dimension voraus, denn „Information ist Alles“. Dies meint aber nicht die Trivialisierung der Information, denn zugespitzt formuliert kann man sagen: Nachhaltigkeit ist eine komplexe Strategie in einer komplexen Welt und hat daher komplexe Lösungen, die komplexes Denken verlangen. Die Grundsätze sind einfach, die daraus folgenden Antworten nicht.


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