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„Schreckgespenst“ Energiewende?


Darmstadt (9.11.11): Die deutsche Wirtschaft darf nicht im Spagat zwischen ökologischen Herausforderungen und ökonomischem Erfolg erstarren. Sie muss die Chancen der Energiewende erkennen und nutzen. Lesen Sie exklusiv das Kommentar von Frank Gey (ENTEGA).
Es fehlt nicht viel, dass deutsche Unternehmen den Begriff “Energiewende“ zum Unwort des Jahres küren. Von der Kostenfalle für die Mittelschicht ist die Rede, einer neuen Unsicherheit, unkalkulierbaren Faktoren.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Begriff mit großer Unsicherheit verbunden ist. Wie genau sieht der Weg zur Energiewende in Deutschland aus? Welchen Beitrag wird vor allem die Wirtschaft zu leisten haben? Und zu welchen Kosten?


Wie ein Schreckgespenst ziehen sich Befürchtungen und Negativszenarien durch die Diskussion. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie und dem Ausbau der Erneuerbaren kommen neue, teils unüberwindbare Herausforderungen auf Unternehmen zu. Versorgungsengpässe sind zu erwarten.

Die Preise für Ökostrom könnten in astronomische Höhen klettern und den Wirtschaftsstandort Deutschland bedrohen. Von Kosten in Milliardenhöhe ist die Rede, die insbesondere zu Lasten kleinerer Unternehmen gehen werden. Der Bau neuer Kohlekraftwerke als Brückentechnologie ist mehr als nur ein Szenario. Während vermeintlich klimafreundliche Atommeiler abgeschaltet werden, müssten nun die Fossilen herhalten – auf Kosten der Umwelt.

Der politische Druck, die deutschen Klimaschutzziele umzusetzen und den Kohlendioxid-Ausstoß weiter massiv zu reduzieren, bleibt währenddessen unangetastet. Ein Spagat, der kaum zu schaffen ist und Unternehmen in einer Schreckstarre verharren lässt.

Falsche Gegensätze wie „Klimaschutz versus Kosten“ helfen aber nicht weiter, besonders wenn es um die Zukunft der Energieversorgung geht. Im Gegenteil: Eine ökologische Energieversorgung ist unter ökonomischen Gesichtspunkten machbar – und bei weitem kein akrobatischer Akt. Mehr noch. Ökologie kann und muss zur Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg werden. Ganz davon abgesehen, dass es sich heute kein Unternehmen mehr leisten kann, die Verantwortung für seine Umwelt von sich zu weisen.

Die Zukunft gehört Jenen, die heute schon auf Ökostrom oder klimaneutrales Edgas umsteigen und die den Entwicklungsvorsprung bei der Klimaeffizienz und -neutralität nutzen werden, um ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft einzulösen. Denn Ökologie in der Wirtschaft wird zukünftig immer mehr an Relevanz gewinnen. Im Zuge der Energiewende werden sich Kunden verstärkt daran orientieren, ob ein Unternehmen Ökostrom oder klimaneutrales Erdgas bezieht, oder nicht.

Die Verwendung von erneuerbaren Energien wird dabei zunehmend den Wert von Angeboten und Produkten mitbestimmen. Die Energiewende wird damit zur Chance für jedes Unternehmen, auf ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Geschäftsmodell umzusteigen.

Unsicherheit bringt uns an dieser Stelle nicht weiter. Die Frage nach der Umsetzung und dem eigenen Beitrag zur Energiewende wird auf deutsche Unternehmen und Industrie unweigerlich zukommen. Wer sich jetzt darauf vorbereitet, seine Energieversorgung auf Ökostrom oder klimaneutrales Erdgas umzustellen, seinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, ein ressourcenschonendes Energiemanagement im Unternehmen zu implementieren und schließlich auch Lösungen zu finden, wie unvermeidbare Emissionen kompensiert werden können, für den ist Klimaneutralität keine Zukunftsmusik mehr.

CO2-neutrale Energie aus erneuerbaren Quellen ist dabei eine Säule. Eine Brücke zu ihr brauchen wir nicht - Erneuerbare sind schon heute sowohl technologisch als auch kapazitär eine echte Alternative. Atomkraft hingegen durch Kohlekraft zu ersetzen, bringt uns vom Regen in die Traufe.

Zudem müssen wir zur Lösung der CO2-Frage zwangsläufig und grundsätzlich unseren Umgang mit Energie verändern: rund 40 Prozent der Energie könnte Deutschland durch mehr Effizienz einsparen – insbesondere in Gewerbe und Industrie. Und letztendlich muss es um Kompensation gehen. Um für alle wesentlichen Aspekte der Klimaneutralität aufgestellt zu sein, müssen sich Unternehmen auch mit Bilanzierung und Ausgleich ihrer restlichen CO2-Emissionen auseinandersetzen.

Das ist CO2-neutrale Energieversorgung. Das ist die Grundlage für Unternehmen, um wirtschaftliche Fragen in Einklang mit ökologischen und sozialen Fragen zu bringen. Um die Unsicherheit vor dem Schreckgespenst Energiewende in echte Potenziale für nachhaltigen Erfolg zu wandeln.

Autorennotiz

Frank Gey ist Geschäftsführer der ENTEGA Geschäftskunden GmbH & Co. KG mit Sitz in Darmstadt.


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