Für Heike Leitschuh ist klar: „Die globalisierungskritische und umweltbewegte Szene ist in den letzten Jahren jünger, bunter und vielfältiger geworden. Sie heißen Avaaz, Campact, Ausgestrahlt, Wikiwoods oder Greenleaks, LobbyControl, Utopia und Karmakonsum. Sie sind Mitglieder- und Fördervereine, Initiativen von Einzelpersonen oder neue aktionsorientierte Geschäftsmodelle, die von Trends im
Nachhaltigkeitsdiskurs profitieren. Sie beschäftigen sich mit recht unterschiedlichen Themen. Doch sie haben drei Dinge gemeinsam: Sie sind jung in der Szene, ihre Aktiven sind es in der Regel auch, und sie bedienen sich sehr stark der Möglichkeiten der modernen Kommunikation und des Internets, um Aufmerksamkeit für ihre Themen und Kampagnen zu erlangen.“ Gegen diese sehr allgemeine Beschreibung ist mal wenig einzuwenden, außer dass diese eher nicht auf Utopia noch Karmakonsum zutrifft.
Erstaunlich oder eben auch nicht ist die Tatsache, dass sich die Medien gerne darauf stürzen, obwohl kaum Inhalte geboten werden. Man sieht eher nackte Haut und aus der Hippiebewegung inspirierte Protestformen. Oft sind es nicht mehr als 300 bis 500 Menschen, die sich da versammeln. Einig sind sie sich, dass sie keine expliziten Forderungen haben noch einen Sprecher oder Sprecherin. Dies macht diese Bewegungen einerseits angenehm basisdemokratisch, andererseits sind sie Leichtgewichter, denn thematisch bieten sie kaum Herausforderungen an außer eben "Ein Weiter so geht nicht.". Und auch zahlenmäßig ist es schwer, hier gleich von einer Jugendbewegung zu sprechen.
Jörg Sommer, Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung und Mitherausgeber des JAHRBUCH ÖKOLOGIE sieht hier die Zukunft des politischen Engagements: „Junge Leute wollen sich wieder zunehmend politisch engagieren. Doch sie tun dies eher punktuell und vor allem themen- und nicht organisationsbezogen. Klassische Strukturen wie Verbände oder Parteien sind für sie unattraktiv geworden. Occupy & Co. werden zweifellos an Bedeutung gewinnen.“ Dies wird sich wohl noch zeigen, aber eine Debatte ist es allemal wert, wofür das Jahrbuch auch einen Ansatzpunkt für die Diskussion bietet.
Bibliographie:
Heike Leitschuh, "Neue Organisationen - Aktivierung der Zivilgesellschaft"
in: Altner/Leitschuh/Michelsen/Simonis/von Weizsäcker (Hrsg.):
Grüner Umbau - Neue Allianzen für die Umwelt, Jahrbuch Ökologie 2012
Stuttgart: Hirzel Verlag 2011, 248 Seiten, € 21,90.
ISBN 978-3-7776-2152-4




