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KULTUR

UNICEF-Foto des Jahres von Johan Bävman

 

UNICEF-Foto des Jahres


Bonn (17.12.09): Die UNICEF zeichnet jährlich Fotos und Fotoreportagen aus, die die Persönlichkeit und die Lebensumstände von Kindern weltweit auf herausragende Weise dokumentieren. Eva Luise Köhler ehrte den Sieger Johan Bävman für Aufnahme aus Tansania, die die Diskriminierung von Albinos in Afrika thematisieren.
Der schwedische Fotograf Johan Bävman ist Sieger des internationalen Wettbewerbs „UNICEF-Foto des Jahres“.

Sein Bild zeigt zwei Schülerinnen beim Spielen im Klassenzimmer in einer Schule im Norden Tansanias. Der zehnjährigen Mwanaidi sieht man ihre Sehbehinderung nicht sofort an. Ihre beste Freundin Selina dagegen fällt auf. Sie leidet an Albinismus - eine Pigmentstörung, die Haut, Haare und Augen extrem hell und empfindlich macht. Die Schule ist für Selina einer der wenigen Orte, an denen sie vor Diskriminierung und Übergriffen geschützt ist. "Der Fotograf macht uns auf die Probleme einer der schwächsten und verletzlichsten Bevölkerungsgruppe Afrikas aufmerksam. Menschen mit Albinismus werden oft ausgegrenzt. Immer wieder wurden sie Opfer brutaler Gewalt", sagte UNICEF-Schirmherrin Eva Luise Köhler bei der Preisverleihung am Donnerstag in Berlin.

Der 27-Jährige Fotograf aus Malmö (Moment / Sydsvenskan) ist der zehnte Preisträger des seit dem Jahr 2000 weltweit ausgeschriebenen Wettbewerbs. „Sein Bild spielt auf herausragende Weise mit ungewöhnlichen Kontrasten. Damit gibt der Fotograf seinem journalistischen Thema eine künstlerische Dimension“, begründete der Vorsitzende der Jury Klaus Honnef, Professor für Theorie der Fotografie, die Auswahl. Neben dem ersten Preis bestimmte die Jury einen zweiten und dritten Platz sowie zehn ehrenvolle Erwähnungen. In diesem Jahr hatten 123 von internationalen Experten vorgeschlagene Fotografen aus 33 Ländern insgesamt 1.147 Bilder eingereicht. Der Wettbewerb wird unterstützt von der Zeitschrift GEO und finanziert von der Citibank.

Hintergrund

Das UNICEF-Foto des Jahres 2009 ist Teil einer Serie, die Johan Bävman “Albino - Im Schatten der Sonne“ betitelt hat. Die zehnjährige Selina gehört zu schätzungsweise 150.000 Albinos in Tansania. Ihr Körper produziert zu wenig Melanin. Haut, Haare und Augen brauchen deshalb besonderen Schutz vor der Sonne. Viele Hellhäutige leiden an Hautkrebs, oft sind sie stark sehbehindert. Ihre Lebenserwartung liegt in Ländern wie Tansania im Schnitt bei nur 30 Jahren. Wegen ihrer Hautfarbe werden sie angestarrt, ausgelacht, ausgegrenzt und als „zeru-zeru“, Kinder des Teufels, beschimpft. Das Internat in Mwanza im Norden des Landes, in dem das UNICEF-Foto des Jahres entstand, ist durch einen zwei Meter hohen Zaun gesichert. Ursprünglich eine Schule nur für Sehbehinderte, ist die Einrichtung jetzt zur Zuflucht für mehr als hundert Albino-Kinder geworden. Hier stehen sie unter dem Schutz der Polizei, die auch nachts vor dem Gebäude patrouilliert. Denn seit rund drei Jahren sind Albinos in der Region am Victoria-See Zielscheibe einer bislang nicht gekannten Grausamkeit. Sie werden verstümmelt und getötet, weil ihre Körperteile als Glücksbringer gelten und verkauft werden. Abergläubische versprechen sich davon reiche Beute beim Fischfang im Victoria-See oder bei der Suche nach Gold oder Diamanten. Mehr als 40 Albinos sind in Tansania nach offiziellen Angaben ermordet worden. Inzwischen haben Politik und Behörden schärfere Maßnahmen ergriffen. Die Welle der Gewalt scheint nun abzuebben.

Die weiteren Auszeichnungen

Zweiter Preisträger ist der tschechische Fotograf Milan Jaroš (Freier Fotograf / Respekt).
Seine Aufnahme zeigt die fünf Jahre alte Adélka aus der tschechischen Hauptstadt Prag. Sie besucht einen Kindergarten, der speziell auf die Bedürfnisse autistischer Kinder eingeht. Adélka wurde mit einer besonders schweren Form von Autismus geboren. Ihr Gehirn kann Informationen nicht normal verarbeiten. Adélka spricht kein Wort. Sie scheint ganz in ihrer eigenen Welt zu leben. Diese sei vielleicht reich an Eindrücken und Farben, sagen ihre Eltern. Oder aber das Gegenteil: „Wir wissen es nicht.“ Nach Schätzungen von UNICEF leben weltweit etwa 200 Millionen Kinder mit einer Behinderung. Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention haben sie ein Recht auf besondere Förderung, damit sie am Leben der Gesellschaft teilhaben können.

Der dritte Preis geht an Edwin Koo, Singapur (Zuma Press). Die Aufnahme entstand im pakistanischen Flüchtlingslager Sheikh Yasin. Es ist Teezeit, die Kinder warten mit Kannen in der Hand an den Bottichen der Ausgabestelle. Tee gilt in Pakistan als Nationalgetränk. Die Einhaltung der Tradition soll den Jungen und Mädchen helfen, den Konflikt in ihrer Heimat für ein paar Momente am Tag zu vergessen. Sie gehören zu den 2,5 Millionen Menschen, die aus dem SwatTal geflohen sind, wo Regierungstruppen gegen Talibankämpfer vorgehen. UNICEF leistet umfassend Nothilfe für die Flüchtlingskinder. Um den Ausbruch von Epidemien zu verhindern, wurden 200.000 Kinder gegen gefährliche Krankheiten wie Masern geimpft. Mehr als zehntausend mangelernährte Kinder erhielten Hilfe. 230.000 Menschen wurden mit sauberem Trinkwasser versorgt.

Ehrenvolle Erwähnungen fanden:

Mads Nissen, Dänemark, Berlingske Tidende: Kinderheiraten, Niger
Jacob Aue Sobol, Dänemark, Magnum: Straßenkinder in Bangkok, Thailand
K. Kimoto, Thailand, Freier Fotograf: Opium fürs Kind, Badakshan, Afghanistan
Irina Popova, Russland, Freie Fotografin: Gefährdete Kindheit in Russland
Todd Krainin, USA, Freier Fotograf: Unfriedens-Erziehung in den USA
Eman Mohammed, Palästina/Jordanien, Freie Fotografin: Spielen trotz Krieg, Gaza
Anna Jockisch, Deutschland, FH für Design und Medien Hannover: Zeit der Rebellion, Deutschland
Christian Als, Dänemark, Berlingske Tidende: Kindheit in Trümmern, Gaza
Thomas Lekfeldt, Dänemark, Freier Fotograf, Ekstra Bladet, Moment: Kinderkrebsstation, Dänemark
Daniel Berehulak, Australien, Indien, Getty Images: Zuhause ist woanders, Pakistan


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