Problematisch sind aber auch die sozialen und ökologischen Auswirkungen in den Anbauländern, meint INKOTA.
Eine positive Bilanz des Biokerosin-Tests ist jedoch verfrüht, warnt Evelyn Bahn, Referentin für Welternährung bei INKOTA. Neben technischen Aspekten muss Lufthansa auch auswerten, wie sich die Nutzung von Biokerosin auf die Menschen in den Anbauländern auswirkt.
Wenn Lufthansa Schwierigkeiten hat, Anbauflächen zu finden, dann hat das einen Grund: Fruchtbares Ackerland wird weltweit knapper und die Biokerosin-Pläne heizen Konflikte um Land weiter an, argumentiert INKOTA.
Zudem scheint der Anbau von Jatropha weniger rentabel zu sein, als vor wenigen Jahren noch erwartet. Allein in Mosambik und Tansania wurden mehrere Jatropha-Plantagen mittlerweile wieder eingestellt und die betreibenden Unternehmen meldeten die Insolvenz an. Auch der britische Konzern Sun Biofuels meldete im vergangenen Herbst die Insolvenz an.
Lufthansa hatte von dem Tochterunternehmen Sun Biofuels Mozambique mehrere Tonnen Jatropha für die Biokerosinproduktion importiert. Jatropha wurde als Wundermittel angepriesen, weil es auf marginalen Böden wächst. Doch der Anbau auf marginalen Böden bringt keine rentablen Erträge. Wenn der Anbau von Jatropha zukünftig auf fruchtbare Ackerflächen verlegt wird, wird die Nahrungsmittelproduktion verdrängt und es kommt zu einer Verschärfung der Hungerkrise, befürchtet Bahn.
Das entwicklungspolitische Netzwerk INKOTA fordert von Lufthansa, die Auswirkungen der Biokerosin-Produktion auf die Ernährungssicherheit und auf Landkonflikte in den Anbauländern zu evaluieren. Beim Anbau von Rohstoffen für die Biokerosin-Produktion müssen soziale und ökologische Standards, sowie Menschenrechte eingehalten werden, Landnutzungsänderungen vermieden werden und die betroffene Bevölkerung im Sinne des Prinzips der freien, rechtzeitigen und informierten Zustimmung in alle sie betreffenden Einscheidungen einbezogen werden, so INKOTA abschließend.
(Quelle: INKOTA)




