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Donnerstag, 17. Mai 2012 - Eine andere Information ist möglich!
ÖKOLOGIE

Flächenfraß in der Landwirtschaft: Eine gute, böse Kampagne?


Berlin (23.1.12): Der Deutsche Bauernverband hat der Tage eine Kampagne gestartet gegen den „Flächenfraß“. Er will in einer Petition eine entsprechende neue Gesetzgebung erreichen, die dies künftig verhindert. Das Kampagnenmotiv soll Bände sprechen: Die Baggerschaufel, die den grünen, schönen Ackerboden zerstören will. Berlin (23.1.12):
Doch der Deutsche Bauernverband, der sich in den Jahrzehnten seiner Existenz sehr oft für den Verbau von Ackerflächen ausgesprochen hat, häufig gegen den Protest seiner Mitglieder vor Ort, meint etwas anders: Es soll die Ausgleichsmaßnahmen gestoppt werden. Diese sieht der Deutsche Bauernverband als die eigentlichen Täter und nicht die Verbauungen.

Zu Beginn der Internationalen Grünen Woche haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund (NABU) und der Deutsche Naturschutzring (DNR) daher den Deutschen Bauernverband aufgerufen, sich für ein Ende des besorgniserregenden Landschaftsverbrauchs durch den Verkehrs-, Industrie- und Siedlungsbau einzusetzen. Und die richtigen „Gegner“ zu benennen.


Zwar werbe der Bauernverband unter dem Motto „Stoppt Landfraß“ für eine Reduzierung des Verlusts von wertvollen Böden. Allerdings stehe dahinter weniger das Anliegen, flächenfressende Baumaßnahmen zu reduzieren, sondern vielmehr Ausgleichsmaßnahmen für die Natur zu stoppen.

Bauherren müssen Naturschutz-Ausgleichsflächen finanzieren, wenn sie andernorts zum Beispiel durch den Bau von Straßen naturnahe Flächen verbrauchen. Diese Ausgleichsflächen sind der Landwirtschaft teilweise entzogen und können auch nicht höherwertig als Bau- oder Industriegrund verkauft werden. Und: Für Ausgleichsmaßnahmen wird jedoch nur ein geringer Teil landwirtschaftlicher Nutzflächen herangezogen, sondern deutlich mehr landwirtschaftlich ohnehin nicht genutzte, oder nicht nutzbare Flächen.Ein Teil der Ausgleichsflächen könne zudem auch weiterhin bewirtschaftet werden, betonen die Umweltverbände.

„Statt mit billiger Propaganda und falschen Zahlen die Kluft zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu verstärken, muss der Bauernverband endlich mit den Umweltschutzverbänden zusammenarbeiten, um den für alle schädlichen Flächenverbrauch zu stoppen. Dabei sind Mythen über die angebliche Einschränkung der Landwirtschaft durch zu viel Naturschutz fehl am Platz. Die wahren Probleme im Siedlungs- und Verkehrswegebau müssen gemeinsam benannt und energisch angegangen werden“, fordert NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Im Rahmen seiner Kampagne „Stoppt Landfraß“ verweise der Bauernverband immer wieder auf den angeblich erheblichen Flächenverlust für die Landwirtschaft durch Ausgleichsmaßnahmen, die bei Baumaßnahmen nötig werden. Tatsächlich gehen jeden Tag rund 90 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland durch Gewerbe-, Siedlungs- und Infrastrukturmaßnahmen verloren, das sind rund 31.000 Hektar im Jahr.

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „Es ist zynisch und verlogen, wenn der Bauernverband Ausgleichsflächen für den Naturschutz als Landfraß, Flächenverbrauch oder Flächenfraß bezeichnet. Ausgleichsflächen sind im Gegensatz zu asphaltierten oder bebauten Flächen Lebensräume für viele Arten, sie erhöhen die Grundwasserqualität und die Bodenfruchtbarkeit. Damit haben Ausgleichsflächen nicht nur für die Natur sondern auch für die Landwirtschaft und die Menschen positive Auswirkungen. Wir rufen den Bauernverband auf, seine Landfraß-Kampagne umgehend zu stoppen und die wahren Verursacher des Flächenverbrauchs, nämlich den Straßen- und Siedlungsbau zu bekämpfen.“

Der Bauernverband setze sich politisch dafür ein, dass Ausgleichsmaßnahmen durch Geldzahlungen und sogenannte „produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen“ - wie Blühstreifen in bestehenden Äckern - ersetzt werden. Aus Sicht der Umweltverbände würde dies jedoch eine Schwächung des Naturschutzrechts bedeuten und den weiteren Flächenverbrauch nochmals erleichtern.

DNR-Vizepräsident Hartmut Vogtmann: "Der Bauernverband muss endlich gemeinsam mit Naturschützern den Flächenverbrauch durch Verkehr und Baumaßnahmen stoppen, seinen Widerstand gegen eine europäische Bodenrahmenrichtlinie aufgeben und für den Erhalt von Grünland und eine artenreiche Kulturlandschaft eintreten."

Die Umweltverbände fordern daher, statt Naturschutzflächen zum Sündenbock zu machen, soll sich der Deutsche Bauernverband für den Naturschutz einsetzen. Zahlreiche Bauern sind seit langem Partner des Naturschutzes, bei der Landschaftspflege, der extensiven Bodennutzung und bei der Regionalvermarktung.


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