In einem gemeinsamen Positionspapier bringen zivilgesellschaftliche Organisationen aus Nord und Süd – darunter akte (Schweiz), EED/Tourism Watch (Deutschland), ECOT (Thailand), FTTSA (Südafrika) und Naturfreunde Internationale – ihre Sorge über die Haltung von touristischen Interessensgruppen bei den internationalen Klimaverhandlungen zum Ausdruck.
Kritisiert wird die oft vorgebrachte Argumentation aus der Reisebranche, dass eine Klima-Regulierung des Flugverkehrs zu einem beträchtlichen Rückgang der touristischen Einnahmen in Entwicklungsländern führen würde, was wiederum negative Auswirkungen auf die Armutsbekämpfung hätte. Kurz: Verpflichtende Emissions-Reduktionsziele für die Flugindustrie würden die Erreichung von Entwicklungszielen gefährden.
Tourismus ist mit Armutsbekämpfung nicht gleichzusetzen
Für den Generalsekretär der Naturfreunde Internationale, Christian Baumgartner, ist die Behauptung unhaltbar, dass Tourismus automatisch zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern beitrage, und dass verbindliche Klimaziele für die Branche eine Gefahr für die Armutsbekämpfung darstellen würden. „Nur eine gerechtere und nachhaltigere Tourismusentwicklung kann den negativen Einfluss des Tourismus auf das Klima verringern und tatsächlich zur Armutsbekämpfung beitragen“, betont Baumgartner.
Die unterzeichnenden Organisationen fordern eine ernsthafte und differenzierte Debatte über den Beitrag des Tourismus zur Armutsbekämpfung. „Die Reisewirtschaft hat bisher ihre Geschäftsinteressen im Namen der Armutsbekämpfung erfolgreich verteidigt. Es ist jedoch dringend nötig, auf die komplexen sozialen, kulturellen, ökonomischen und ökologischen Auswirkungen des Tourismus in den Destinationen einzugehen, speziell auf die Situation von Beschäftigten und lokalen Gemeinschaften“, so Christine Plüss vom Schweizer arbeitskreis tourismus & entwicklung (akte).
Wer profitiert vom Tourismus?
Verschiedene Fallstudien zeigten, dass ein großer Teil der Einnahmen aus dem Tourismus nicht in den Entwicklungsländern bleibt, sondern zu internationalen Investoren abfließt. Die restlichen Einnahmen kämen meist keineswegs den „Armen“, sondern vielmehr lokalen Eliten zu Gute. „Die arme Bevölkerung in den so genannten Entwicklungsländern leidet am meisten unter dem Klimawandel, den sie nicht verursacht hat. Sie partizipiert und profitiert auch kaum am und vom internationalen Tourismus, auch wenn das immer wieder behauptet wird“, so Caesar D`Mello von der Ecumenical Coalition On Tourism (ECOT). „Die Tourismuswirtschaft muss sich verändern, sie muss fairer werden. In Südafrika zeigen wir mit einer Reihe von politischen Maßnahmen und Public-Private-Partnerschaften bereits in der Praxis, wie dies funktioniert“, sagt Jennifer Seif von Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA). „Von diesen konkreten Beispielen kann eine weltweit gerechtere Tourismusentwicklung inspiriert werden”.
Wirtschaftliches Wachstum ist kein Selbstzweck
„Die Debatte über die Rolle des Tourismus muss über die Wiederholung ewig gleicher Phrasen, die ausschließlich die positiven ökonomischen Effekte des touristischen Wachstums betonen und dessen zahlreiche negative Auswirkungen gerade auf ärmere Bevölkerungsschichten nie ansprechen, hinausgehen. Es ist an der Zeit, die Auswirkungen des rasanten Tourismuswachstums auf das Klima, die Artenvielfalt, die natürlichen Ressourcen und die menschliche Entwicklung kritisch zu diskutieren. Wirtschaftliches Wachstum ist kein Selbstzweck. Was wir brauchen, ist ein Ansatz, der von den Menschenrechten ausgeht“, fordert Heinz Fuchs vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED).
(Quelle: respect)




