Greenpeace Energy - für die Energiewende geben wir alles - außer klein bei



Anzeige
Donnerstag, 17. Mai 2012 - Eine andere Information ist möglich!
POLITIK

Durban wird zum klimapolitischen Fiasko


Durban/Berlin (5.12.11): Es bahnt sich ein klimapolitisches Fiasko an. NGOs mahnen Regierung zu mehr Verhandlungshärte. Lesen Sie die Reaktionen von Deutscher Umweltstiftung, WWF, NABU und Greenpeace.
Die Klimakonferenz in Durban geht in die entscheidende Phase. Die erste Woche war nach Einschätzung des WWF geprägt von taktischem Geplänkel und einem Abtasten der Positionen. „Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Deutschland darf sich in dieser entscheidenden Phase nicht hinter der EU-Position verstecken“, betont Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimaschutz beim WWF Deutschland. Eine aktive Rolle von Umweltminister Norbert Röttgen sei jetzt gefragt.

Weder bei den Verhandlungen über eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto Protokoll, noch bei den Beratungen für ein Mandat für ein internationales Abkommen ab 2015 gab es bislang entscheidende Durchbrüche. Auch über die Bereitstellung der Gelder für den so genannten Grünen Klimafonds besteht keine Einigkeit.


„Deutschland muss jetzt endlich einen klaren Standpunkt beziehen und so klug wie hart verhandeln, sonst endet die Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban mit einem Fiasko“, appelliert NABU-Präsident Olaf Tschimpke dringend an Bundesumweltminister Norbert Röttgen, der am Montag in Durban eintraf.

Die Deutsche Umweltstiftung kritisiert die bislang eher „taktischen und rhetorischen“ Beiträge der EU-Länder zur Klimakonferenz in Durban. Jörg Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Umweltstiftung: „Die Zeit läuft davon. Bislang gab es weder zur Fortführung des Kyoto Protokolls, noch bei der Finanzierung des Grünen Klimafonds entscheidende Fortschritte. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat unmittelbar vor seiner Abreise nach Durban mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel gefordert. Jetzt kommt es darauf an, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Am Ende der Klimakonferenz müssen konkrete Schritte zu konkreten Vereinbarungen stehen. Unverbindliche Absichtserklärungen gibt es genug.“

Die Deutsche Umweltstiftung fordert von Umweltminister Röttgen eine aktive Vermittlungsrolle – notfalls auch im Konflikt mit den USA: „Die EU-Länder müssen sich beim Kampf gegen den Klimawandel mit den richtigen Staaten verbinden. Die USA gehören nicht dazu. Sie setzen nach wie vor auf eine Blockadepolitik,“ so Sommer.

Für die Deutsche Umweltstiftung ist das Minimalziel der Konferenz die Realisierung des Grünen Klimafonds. Die Industrienationen hatten bei der Konferenz in Kopenhagen 100 Milliarden Dollar pro Jahr versprochen. Damit sollen Maßnahmen für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern finanziert werden.

„Die beiden zentralen Ziele der deutschen Klimapolitik stehen auf dem Spiel: die Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal zwei Grad und international verbindliche Klimaschutzabkommen, statt das Prinzip des Wilden Westens, jeder macht was und wie er will“, warnt Tschimpke.

Um dieses Fiasko zu verhindern, muss es nicht nur eine nahtlose Fortsetzung des Kyoto-Protokolls geben, sondern gleichzeitig ein konkretes Mandat, bis 2015 ein globales Klimaschutzabkommen zu verhandeln, das alle Staaten einschließt. „Und in beiden Abkommen müssen deutlich höhere CO2-Reduktionsziele stehen, als bislang auf dem Tisch sind“, fordert der NABU-Präsident.

Der NABU kritisiert, dass sich die EU bislang noch nicht klar dazu bekannt hat, dass ein „Kyoto II“-Abkommen nur bis 2018 gelten darf. „Die Wissenschaft sagt uns, dass wir die Klimawende deutlich vor 2020 erreichen müssen, das heißt, ab dann müssen die globalen CO2-Emissionen sinken. Damit ist der Zeitplan klar: Kyoto II sollte nur bis 2018 gelten, weil spätestens dann ein globaler Klimaschutzvertrag in Kraft treten muss“, erklärt Tschimpke. Zudem müssten Schlupflöcher im Kyoto Protokoll geschlossen werden, indem etwa die Freisetzung von Treibhausgasen bei der Trockenlegung von Mooren und Feuchtgebieten sowie in der intensiven Landwirtschaft eingerechnet werden. „Mit so einem Kyoto II-Abkommen kann die EU wahre globale Führungsstärke zeigen und auch von den anderen Ländern entscheidende Beiträge verlangen“, erklärt der NABU-Präsident.

Allein die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls kann die Klimakatastrophe nicht abwenden, zumal Kanada, Japan und Russland eine zweite Verpflichtungsperiode ablehnen. Dadurch decken die Kyoto-Staaten nur noch einen Bruchteil der globalen Treibhausgas-Emissionen ab. „Um alle Staaten für ein großes Klima-Abkommen neben dem Kyoto-Protokoll zu gewinnen, gilt es, klug neue Allianzen zu schmieden, insbesondere mit den vom Klimawandel bedrohten Inselstaaten sowie Schwellenländern wie China und Brasilien. Und wir müssen notfalls in Kauf nehmen, dass die USA sich international isolieren“, betont der NABU-Präsident.

Und Greenpeace schreibt bilanzierend: Nach der ersten Verhandlungswoche droht die UN-Klimakonferenz in Südafrika an der Blockadehaltung der USA und der Führungsschwäche der EU zu scheitern. Mitschuld daran trägt auch die ehemalige Klimakanzlerin Angela Merkel: Diese hat jeglichen Erwartungen an einen Erfolg der Konferenz in ihrer jüngsten Videobotschaft eine klare Absage erteilt.

Naturgemäß anders sieht dies Bundesminister Röttgen: „Deutschland geht beim Klimaschutz weiter voran. Aus gutem Grund: Denn von Klimaschutz-Maßnahmen gehen kräftige Impulse für Wirtschaftswachstum, Innovation und Beschäftigung aus. Die weitere Verringerung des Primärenergieverbrauchs trägt zudem zu Kostensenkung und geringerer Importabhängigkeit der deutschen Wirtschaft bei."


(Quelle: Deutsche Umweltstiftung, NABU, WWF, Greenpeace, BMU)

<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>Forsa: Keine Subventionen für Tierquäler und Umweltsünder
>Emissionshandel: Stromproduzenten müssen nun zahlen, aber
>Umfrage: Keine Humanbiotika für Tiere
>Alle Bundesminister sind Klimasünder
>Kritik an Merkels Energiepolitik
>E-Mobilitätsplattform: Warum Fördergeld für Porsche & Co?
>Bundesregierung unterstützt Deutschen Nachhaltigkeitskodex
>Reform Finanzaufsicht ohne Verbraucherschutz?
>Bürgerinitiative gegen Atomkraft
>Politik mag sich Korruption erhalten
>Röttgen: Plattform Erneuerbare Energie
>Geheimstudie in Sachen Atom-Gau
>Bienensterben und ein dummdreister Agropräsident
>Bundesregierung und Co2 Handel: Zuviele Zertifikate
>Umweltverbände reden nicht mehr mit Rösler
>Verfassungsbeschwerde gegen den Rettungsschirm
>Atomausstieg kostet bis zu 44 Milliarden Euro
>Globaler Demokratieabbau
>Solarstrom: Wer bitte knippst die Sonne noch ab?
>Will die Bundesregierung Korruption?
>Volksabstimmung zum Rettungsschirm gefordert
>Chancen des Energie- und Klimafonds heben
>Solarkürzung behutsamer
>Systematische Folter in Syrien
>Kommunale Unternehmen: Eigenes Energieministerium
>Fahrplan für die Energiewende
>Essen-Kampagne von Aigner ruft gemischte Reaktionen auf
>50.000 für Ende Atomkraft und für Energiewende
>Absichtserklärung: Bayern will Nr. 1 für Ökostrom werden
>Solarstromkürzung verschoben auf 1. April
>Kundgebung gegen Solarausstiegsgesetz
>Baden-Württemberg tritt Climate Group bei
>Umfrage: 2/3 halten Solarkürzungen für falsch
>Solarkürzungen überfordern Solarbranche
>18. Mai: Bankenblockade
>Transparency International: Politik muss integer werden
>Gefährden verantwortungslose Stromspekulanten Menschenleben?
>BUND kritisiert Rösler: 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr?
>Dresden, Löschen von Daten und Rechtsextremismus
>Kritik an Niebels Bildungsstragie
>EU-Subventionen könnten Millionen grüne Jobs schaffen
>Städte und Kommunen: Bündnis für Biodiversität
>Forderung: 1 Milliarde für Nachhaltigkeitsforschung
>"Wir sind die neuen Juden"
>Schröder im Glück:2 Millionen weniger für Zivilgesellschaft
>Es braucht ein Siegel für Ökostrom
>Gefahr für EEG und Energiewende
>Österreich will den Ball der Rechtsextremen durchtragen
>Bundesregierung: 400 Millionen für Gentechnik in Nahrung
>Umweltverbände: Forstwirtschaft zerstört Waldnaturerbe
Anzeige
comdirect

Glocalist Medien: Offizielles Projekt der
UN-Weltdekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung"