"An die österreichische Bundesregierung
An die Eigentümer und Betreiber des Konferenzzentrums Wiener Hofburg
An alle Parteien, die sich zur 2. Republik Österreich bekennen
An alle, die zukünftig in Wien Konferenzen und Tagungen abhalten wollen
Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Sieg der Alliierten über die Nazibarbarei sind wir, oder unsere Eltern und Großeltern aufatmend aus der Verbannung oder der Illegalität in die neu zu gestaltende Zweiten Republik Österreich zurückgekehrt. Niemals wieder sollte es in diesem Lande zu Ausgrenzung und Verfolgung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Minderheit, einer "Rasse" oder einer friedlichen Weltanschauung kommen! Jeder menschlich Denkende möge niemals die 1945 beendeten Gräuel vergessen oder entschuldigen.
Jetzt, nur 66 Jahre später, treffen sich die Nachfolger jener barbarischen Gesinnung zur Vernetzung, Tanz und Feier in einem der Republik Österreich gehörenden repräsentativen Konferenzzentrum! Wir sind empört und entsetzt! Ist dieses Land noch wirklich identisch mit der von uns bejahten und mit aufgebauten demokratischen Republik? Wir wollen die siegreiche Demokratie verteidigen und fordern alle Adressaten auf: Keine rechtsextremen Veranstaltungen in Räumen der Republik Österreich! Keine friedliche Tagungen und Konferenzen in von extrem rechten benützten Räumen!
Mit freundlichen Grüßen,
Dora Schimanko"
"Den politisch Verantwortlichen sollte die Schamesröte ins Gesicht aufsteigen, angesichts der Tatsache, dass sich eine Überlebende der Holocaust-Zeit, die einen Teil ihrer Familie im Holocaust verloren hat, im Jahr 2012 dazu gezwungen sieht, einen solch emotionalen Appell an die Politik zu richten. Es ist eine Schande, dass Menschen, die von den Nazis verfolgt wurden, heute noch mit ansehen müssen, dass sich die Tore der Hofburg für Menschen und Organisationen öffnen, die nie zu einer ausreichend kritischen Distanz zum Nationalsozialismus gefunden haben", so Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.
SOS Mitmensch fordert von der Republik Österreich und den Hofburg-Betreibern die Stornierung des Schandballs am 27. Januar.
Der Ball einer rechtsextrem durchsetzten Vereinigung, wie dem Wiener Korporationsring, in einem Gebäude der Republik, wie der Hofburg, an einem besonderen Tag, wie dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, ist ein Hohn auf die Würde der Opfer des Nationalsozialismus und er ist ein Hohn auf alle demokratisch denkenden Menschen in Österreich.




