Joachim Gauck, Bürgerrechtler, Theologe, vormaliger Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde, die im Volksmund einfach Gauck-Behörde genannt wurde, und für viele ein Symbol zivilgesellschaftlichen Engagements für Freiheit und Bürgermut darstellt, dürfte mehr als nur ein so genannter Zählkandidat werden. Gaucks klare wie einfache Botschaft lautet: "Wir sind Bürger" (> bit.ly/cdmtes ). Da beginnt etwas zu rutschen.
Von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN als Kandidat vorige Woche nominiert, breitet sich stündlich eine virale Kampagne im Web aus, die auch die Bundesregierung ernst nehmen dürfte.
Spätestens ab dem Zeitpunkt, als sich erste FDP-Landesverbände im Osten Deutschlands begannen, Sympathie für Gauck auszudrücken, ist Feuer am Dach. In den Landesverbänden der FDP in Thüringen und in Sachsen wird von Sympathiewellen für Gauck berichtet. Dies drückt sich darin aus, dass die Nominierung der Abstimmungsberechtigten der Landesparlamente für den Deutschen Bundestag, diesmal nicht einer politischen Tradition folgend, von Prominenten beschickt werden, sondern man stramme Parteisoldaten senden will. Als Grund gibt man Zeitnot an, was nicht unbedingt glaubwürdig wirkt und auch im Umkehrschluss einiges über die mangelhafte Mobilisierungs- und Organisationspotential aussagt.
Merkel über Gauck
Die beste Begründung, so einige Bloggers und Initiativen treffend wertend, für Gauck, führt Bundeskanzerin Angela Merkel im Rahmen ihrer Laudatio zum 70. Geburtstag von Gauck im Jänner des Jahres selber aus:
"Weil wir immer wieder Debatten brauchen, weil wir uns immer wieder miteinander austauschen müssen, ist es so gut, dass wir Sie, Herr Gauck, haben. Denn Sie legen den Finger in die Wunde, wenn Sie eine Wunde sehen, aber Sie können auch Optimist sein und sagen: Es geht voran. Beides brauchen wir. Danke, dass es Sie gibt. Danke, dass Sie weiter da sind." (Angela Merkel > Rede zum Nachlesen > bit.ly/bdPH6j ). Und zu seiner Person sagt Merkel richtig: "Sie sind Mahner, Sie sind ein richtiger Demokratielehrer. Sie halten die Erinnerung an die DDR und ihr Unrechtssystem wach. Sie werben immer wieder für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit."
Web 2.0. mischt sich ein
Jetzt scheinen verschiedene Web 2.0. Initiativen das Heft in die Hand nehmen zu wollen. Selbstredend hat sich schon eine facebook-Community gegründet, die zur Stunde rund 10.000 Unterstützerinnen und Unterstützer aufweist.
Weiters wurde eine so genannte Online-Petition eingerichtet, wo schon rund 2.500 Menschen binnen kurzem unterschrieben haben. Als Begründung ist in der Petition zu lesen: " Wir die Unterzeichner, wünschen uns für das Amt des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland den ehemaligen Bürgerrechtler, Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik und Vorsitzenden der Vereinigung "Gegen das Vergessen - Für Demokratie" Joachim Wilhelm Gauck. Wir sind der Meinung, daß der Lebenslauf von Joachim Gauck und sein daraus resultierendes Eintreten für Freiheit und Demokratie, zunächst in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik und später im vereinigten Deutschland, ihn als die würdigste Person für dieses Amt prädestinieren. Die deutsche Bundeskanzlerin und die Regierung der Bundesrepublik Deutschland sprachen sich nach dem Rücktritt unseres ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler dafür aus, einen Kandidaten für dieses höchste Amt in unserem Staat zu suchen, der auf einen Rückhalt in der Bevölkerung vertrauen kann. Die Bundeskanzlerin und die Bundesregierung haben dieses Versprechen gebrochen, indem sie den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulf zum Kandidaten kürten. Die Kandidatur Wulfs für das Amt des Bundespräsidenten zeugt von reiner Parteipolitik."
Weiters ist die Twitter-Aktion "Mein Präsident" anzuführen. Hier kann man durch Setzen eines hashtags auf seinem eigenen Tweet quasi per Bild für Gauck "abstimmen". Dies meint, dass aus den einzelnen Abstimmungsbilder, das Konterfei von Gauck als Bildmosaik gebildet wird. Dies erfordert doch einigen Aufwand, hat aber schon rund 2.600 Tweets auf sich vereinen können.
Und auch in der Medienwelt bilden sich publizistische Allianzen, die früher so nicht denkbar waren: Vom DER SPIEGEL über DIE WELT bis hin zur FAZ sprechen sich diese Medien mehr oder weniger offen für Gauck als Präsident aus. Gauck dürfte tatsächlich der Präsident der Herzen sein. Einzig DIE LINKE will sich nicht für Gauck aussprechen und fabuliert davon, dass sie es sich vielleicht im dritten möglichen Wahlgang überlegen möchte. Dies wird zu Recht als demokratiepolitischer Skandal empfunden: DIE LINKE für Wulff? Auch das hätte man wohl nicht vermutet.
Die Web 2.0. Initiativen für Gauck for President im Überblick:
facebook > bit.ly/cI7BqP
Petition > www.petitiononline.com/171027WM/petition.html
Twitter > www.der-gute-tweet.de/mygauck/
Unterschriftaktion > www.wir-fuer-gauck.de
Glocalist-Umfrage "Wer soll Bundespräsident werden?" > www.glocalist.com/36.0.html






