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SOZIALES

Goldrush in Guatemala und Menschen sterben dafür


Köln (22.7.10):Mit großer Sorge beobachtet die Menschenrechtsorganisation FIAN die sich zuspitzende Lage in der Umgebung der Marlin-Goldmine in Guatemala.
Die Mine ist seit ihrer Errichtung äußerst umstritten, weil die Rechte der dort lebenden indigenen Bevölkerung nicht respektiert werden. Vorläufiger trauriger Höhepunkt ist das Attentat auf Diodora Antonia Hernández Cinto, eine führende Vertreterin der Bewegung gegen die Marlin-Mine.

Sie wurde am 7. Juli 2010 in ihrem Haus von Unbekannten niedergeschossen. Eine weitere Gewalteskalation ist nicht auszuschließen.

Seit dem 20. Mai 2010 hatten die indigenen Gemeinschaften von Sipakapa und San Miguel Ixtahuacán nach langem Kampf gegen das Bergbauprojekt Marlin wieder Hoffnung geschöpft. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH, Comisión Interamericana de Derechos Humanos) hatte einstweilige Verfügungen zugunsten des Lebens und der persönlichen Unversehrtheit der Gemeinschaften erlassen und den Stopp der Bergbauaktivitäten des kanadischen Unternehmens Goldcorp Inc. in der Marlin-Mine angeordnet.

Am 23. Juni 2010 erklärte die Regierung Guatemalas, dass sie die von der CIDH erlassenen Maßnahmen umsetzen werde. Jedoch hat der kanadische Konzern verkündet, dass er den Goldabbau in Marlin nicht stoppen werde. Seitdem sind einige Wochen vergangen und die Umsetzung des Versprechens der Regierung steht noch aus.

Der Staat Guatemala hat die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über die Rechte der indigenen Völker ratifiziert und damit anerkannt, dass alle Projekte, die sich auf das Leben und das Gebiet von indigenen Gemeinschaften auswirken, nur mit freier und informierter Zustimmung der indigenen Völker umgesetzt werden dürfen.

2010 haben der UN-Sonderberichterstatter für indigene Völker, James Anaya, sowie das Expertenkomitee der ILO festgestellt, dass die Regierung die Lizenz für die Marlin-Mine ohne eine solche Zustimmung erteilt hatte. Bei einer Befragung am 18. Juni 2005 hatten 97 Prozent der BewohnerInnen von Sipakapa das Marlin-Projekt abgelehnt.

Im Juni 2010 haben Nobelpreisträgerin Rigoberta Menchú Tum und Bischof Alvaro Ramazzini, die Regierung Guatemalas öffentlich aufgerufen, die von der CIDH erlassenen Maßnahmen umzusetzen. Bischof Ramazzini wurde 2005 vom damaligen Landwirtschaftsminister Pröll mit dem Konrad Lorenz – Preis ausgezeichnet.

Die Menschenrechtsverletzungen durch das Marlin-Projekt sind eindeutig. Besonders gravierend sind die Verschmutzung und der Verbrauch des von den Gemeinschaften verwendeten Wassers. Das Unternehmen benötigt nach eigenen Angaben 45.000 Liter pro Stunde. Monitoring-Untersuchungen der Comisión Paz y Ecología (Friedens- und Umweltkommission) der Diözese von San Marcos haben ergeben, dass die Mine das Wasser der Flüsse mit Schwermetallen verunreinigt.

Nach einer jüngst von der Universität von Michigan veröffentlichten Studie wurden in Blut- und Urinproben, die bei einigen BewohnerInnen aus der unmittelbaren Umgebung der Marlin-Mine genommen worden sind, toxische Metalle gefunden.

"Die Arbeit der Mine muss sofort eingestellt werden. Die guatemaltekische Regierung ist verpflichtet, die Anordnungen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission umgehend umzusetzen und so die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und Gesundheit zu schützen", fordert Martin Wolpold-Bosien, Zentralamerika-Referent von FIAN.


FIAN Briefaktion gestartet > www.fian.at/bericht.php


(Quelle: FIAN)

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