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SOZIALES

Lebensmittel und "legale Täuschung"


Berlin (31.10.11): Nach dem erfolgreichen Start des Webportals "lebensmittelklarheit.de" von Verbraucherministerin Ilse Aigner, stellt sich die Frage: Und nu?
Fast 4.000 Beschwerden, Kritiken und Anfragen gingen ein und die Ministerin muss einräumen, dass es so etwas wie einen Tatbestand der "legalen Täuschung" gibt.

Schon die Überschrift der Pressemitteilung des Verbraucherministeriums spricht Bände: "Legale Täuschung: Dialog alleine reicht nicht"


Ein zentrales Element des Portals ist die Darstellung von anbieterneutralen Produkten in der Rubrik "Erlaubt!". Auch wenn Anbieter sich an rechtliche Kennzeichnungsvorschriften oder Vorgaben der Lebensmittelleitsätze halten, fühlen sich Verbraucher getäuscht, so das Ministerium weiter. Und man muss ergänzen: Dieses Gefühl der Täuschung ist nicht bloß nur ein Gefühl.

Auf Unverständnis stoßen: Kalbswiener mit wenig Kalbsfleisch, Bayrischer Leberkäse ohne Leber oder niederländische Eier in deutschen Eierkartons. In der Rubrik sammelt das Portal erste Argumente, die durch Verbraucherforschung auf ihre Repräsentativität geprüft werden. Erhärtet sich dann der Verdacht einer systematisch anderen Verbrauchererwartung, wird dieses Ergebnis an die zuständige Stelle, etwa an die Lebensmittelbuch-Kommission übermittelt. "Einige Leitsätze der Lebensmittelbuchkommission werden an die veränderten Erwartungen der Verbraucher angepasst oder gar neu geschrieben werden müssen", meint Gerd Billen. "Es ist richtig, dass sich die Lebensmittelbuch-Kommission genau um diese Streitfälle kümmert", so Aigner. Und so muss man ergänzen, diese Kommission soll nicht mehr geheim tagen und ihre Dokumente wie geführten Argumentationen öffentlich gemacht werden, denn der Bürger hat ohne Zweifel ein Recht dazu.

Und foddwatch kommentiert: "Nun ist es also amtlich: Hersteller täuschen ihre Kunden auch dann, wenn sie sich bei den Angaben auf den Etiketten an alle Gesetze halten."

Es gäbe für die Ministerin also noch viel zu tun. Zum Stilmittel der Verbraucherpolitik darf die Bürgerbefragung nicht werden, Online-Portale über Probleme zu finanzieren – diese Probleme aber nicht zu lösen. Denn das wäre eine verkehrte Welt: Wenn es die Politik dauerhaft zulässt, dass die Hersteller ihren Kunden auf den Etiketten das Blaue vom Himmel erzählen dürfen, und sie gleichzeitig die Verbraucher zu Lebensmitteldetektiven degradiert, die die Supermärkte auf Täuschungen durchsuchen sollen, so foodwatch.

"Wir haben mit dem Angebot den Nerv der Verbraucherschaft getroffen", bilanziert vzbv-Vorstand Gerd Billen. "Jetzt ist es an den Herstellern, ihre Produkte so zu gestalten, dass Verbraucher sich nicht getäuscht fühlen." Das Portal helfe, Verunsicherung bei den Verbrauchern ab und Vertrauen in die Qualität und den Wert von Lebensmitteln wieder aufzubauen. "Doch ein verbesserter Dialog zwischen Verbrauchern und Anbietern alleine kann es nicht richten", sagt Billen. Auch die Politik müsse ihren Beitrag leisten, um Irreführung und Täuschung bei Lebensmitteln zu beenden, so der vzbv.




(Quellen: BM für Verbraucherschutz, foodwatch, vzbv)

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