Nun lassen aktuelle Ergebnisse der Cochrane Collaboration auch am bisher von den zuständigen Behörden und Expertengremien attestierten Nutzen von Tamiflu im Pandemiefall schwere Zweifel aufkommen.
Aufgrund eines Informationsfreiheitsantrages erhielt eine Forschergruppe um Tom Jefferson 25.453 Seiten klinische Studienprotokolle und 2.700 Seiten mit Kommentaren der europäischen Zulassungsbehörde EMA.
Von den jeweils 5 Module umfassenden klinischen Studienprotokollen waren aber nur jeweils Modul 1 und 2 (ca. 60% des tatsächlichen Umfangs) der Zulassungsbehörde EMA ausgehändigt worden. Auch auf mehrfaches Drängen der Cochrane-Forschergruppe auf vollständige Dokumenteneinsicht wurde ihnen diese nach Angaben von Transparency vom Hersteller Roche verweigert.
Die Auswertungen der verfügbaren Zulassungsdaten stehen im Widerspruch zu den veröffentlichten Studien und amtlichen Informationen, die Tamiflu eine hohe Wirksamkeit bei der Vorbeugung von schweren Komplikationen und der Verbreitung der Grippeinfektion bescheinigen.
Jefferson und Kollegen fanden lediglich Beweise für eine Verkürzung der grippalen Symptome um 21 Stunden, jedoch keine Beweise für die Verhinderung von schweren Komplikationen oder Ansteckung. Zudem deckten sie Diskrepanzen zwischen dem ihnen vorliegenden Datenmaterial und den hierzu in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichten Artikeln auf.
Transparency ruft die europäische Behörde EMA, die Tamiflu im Jahr 2002 für den europäischen Arzneimittelmarkt zuließ, alle zuständigen nationalen Behörden, wissenschaftlichen Fachgesellschaften und zuständigen Gremien zur Unterstützung der Forderung nach Offenlegung aller Studiendaten durch den Hersteller auf.
Die 2012 anstehende Verlängerung der Zulassung für Tamiflu sollte nur erfolgen, wenn alle Daten auf dem Tisch liegen. Ebenso soll der vorsorgliche Ankauf und die weitere Lagerung von Tamiflu durch Regierungen oder Behörden bis zur Offenlegung aller Daten und Neubewertung der Wirksamkeit eingestellt werden.
(Quelle: Transparency)




