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SOZIALES

Riestern: Besser Sparstrumpf oder über 100 werden


Berlin (24.11.11): Schlechte Rendite, hohe Gebühren, intransparente Kalkulationsgrundlagen: Für die ersten zehn Jahre der Riester-Rente zieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) eine enttäuschende Bilanz.
Liest man die Kritikpunkte - Intransparenz, hohe Gebühren, keine Vorgaben des Staates - dann ist klar, warum das Konzept Riester nicht funktioniert: Das grundlegende 1x1 der Nachhaltigkeit ist nicht gegeben. Und der Bürger guckt mal wieder in die Röhre.

„Die Riester-Produkte haben sich seit ihrer Einführung zu Ungunsten der Sparer entwickelt“, sagt die DIW-Expertin für Verbraucherpolitik Kornelia Hagen sehr freundlich, aber klar. Dafür seien insbesondere eine unzureichende Regulierung der Kalkulationsregeln und eine Verschlechterung der staatlichen Zertifizierung verantwortlich.


Bislang haben auch nur knapp 40 Prozent der Anspruchsberechtigten einen Riestervertrag abgeschlossen. Im unteren Einkommensbereich sind es sogar deutlich weniger. „Damit die Riester-Rente wirklich die Altersvorsorge für alle – so wie ihre Intention war – verbessert, muss sie dringend grundlegend reformiert werden“, so Hagens Fazit.

Verbraucher zahlt drauf

Kornelia Hagen und Axel Kleinlein zeigen in einer Auswertung der Qualität der Riester-Produkte, dass diese systematisch zu Ungunsten der Verbraucher gestaltet sind. Das Gesamtfazit der Forscher fällt entsprechend ernüchternd aus: „Riester-Sparer erzielen in vielen Fällen nur so viel Rendite, als hätten sie ihr Kapital im Sparstrumpf gesammelt“, sagt Hagen.

Und viele 2011 vereinbarte Riesterverträge, so berechneten die Forscher, führen zu einer schlechteren Rendite als noch 2001 geschlossene Verträge. „Eine 35-jährige Frau, die heute einen Riestervertrag abschließt, muss - wird die Rendite auf die garantierte Rentenleistung und Überschüsse bezogen - mindestens 77 Jahre werden, um allein das herauszubekommen, was sie selbst eingezahlt und was sie an Zulagen vom Staat erhalten hat. Möchte diese Frau auch einen Inflationsausgleich und höhere Zinsen erwirtschaften, müsste sie sogar ihren 109. Geburtstag erleben“, veranschaulicht Hagen.

Für die Verschlechterung gibt es diverse Gründe: Ein großes Problem sieht die DIW-Expertin etwa in der Kalkulation mit hohen Lebenserwartungen „Die Kalkulation mit unterschiedlichen Lebenserwartungen kann die Renditeleistung stark beeinträchtigen“, so Hagen. „Dass der Staat für Vorsorgeprodukte, die er fördert, keine allgemein verbindlichen Kalkulationsgrundlagen vorgibt, ist nicht nachzuvollziehen“. Außer, man käme auf die völlig abwegige Idee, der Staat will die Bürger abzocken und die Finanzwirtschaft mit einem Zubrot stärken.

Angesichts der Mängel im System der Riester-Rente fordert das DIW Berlin grundlegende Strukturreformen. Vor allem sollten die Transparenz und Vergleichbarkeit erhöht werden, etwa durch standardisierte Kosteninformationen, eine inhaltlich bewertende Zertifizierung der Riester-Produkte und nachvollziehbaren Kalkulationsgrundlagen. Außerdem müssten Wechselkosten wegfallen.



(Quelle: DIW)

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