Greenpeace Energy - für die Energiewende geben wir alles - außer klein bei



Anzeige
Montag, 21. Mai 2012 - Eine andere Information ist möglich!
SOZIALES

Sozialdumping: 20% Minijobs, davon 90% im Niedriglohn


Berlin/Düsseldorf (13.2.12): So kann man auf Dauer nicht eine Volkswirtschaft führen: Jedes 5.te Arbeitsverhältnis in Deutschland ist ein Minijob und 90% werden untertariflich bezahlt. Das ist einfach Sozialdumping, was Deutschland hier betreibt.
Minijobberinnen und Minijobber werden vielfach systematisch geringer bezahlt als andere Beschäftigte - obwohl das verboten ist.

Fast 90 Prozent der geringfügig Beschäftigten arbeiten zu Niedriglöhnen. Unternehmen nutzen Minijobs, in denen überwiegend Frauen arbeiten, offenbar gezielt, um Personalkosten zu drücken. Besonders eklatant ist der Lohnrückstand unter geringfügig Beschäftigten, die gleichzeitig Arbeitslosengeld II (ALGII) beziehen. Ein starkes Indiz dafür, dass Arbeitgeber die "Aufstockung" durch Sozialleistungen bei der Lohnfestsetzung bereits einkalkulieren.


Das sind Ergebnisse aus drei neuen Studien, an denen Forscherinnen und Forscher der Hans-Böckler-Stiftung beteiligt sind, beziehungsweise die von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert werden. Sie zeigen auch, dass Minijobs nur selten eine "Brücke" in stabile Beschäftigung bilden. Und: Das verbreitete Bild der Minijobberin, die "nur hinzuverdient" und über Einkommen und Sozialansprüche ihres Partners indirekt abgesichert ist, trifft längst nicht immer zu.

Die geringfügige Beschäftigung sei längst aus dem Ruder gelaufen, konstatieren Dr. Dorothea Voss, Dr. Christina Klenner und Dr. Alexander Herzog Stein, Arbeitsmarktexperten der Hans-Böckler-Stiftung und Koordinatoren des Schwerpunkthefts. Ursprünglich gedacht, um Hausfrauen einen unkomplizierten Nebenjob zu ermöglichen, haben sich Minijobs stark ausgebreitet. Und spätestens seit den Arbeitsmarktreformen 2003 geht es nicht mehr nur um Hinzuverdienste.

Im Frühjahr 2011, so die aktuellsten Daten, war jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis in Deutschland ein Minijob - insgesamt rund 7,3 Millionen. Für rund 4,8 Millionen Menschen, darunter 3,2 Millionen Frauen, stellte der Minijob die einzige Erwerbstätigkeit dar. Minijobbeschäftigte müssen selber keine Steuern und Sozialabgaben abführen, erwerben aber auch keine oder nur sehr geringe eigenständige Ansprüche an die Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung.

"Der steile Aufstieg von Minijobs im deutschen Beschäftigungssystem ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie sich im Einzelnen begründbare Praktiken verselbständigen und immer weiter weg führen von zukunftsfähigen Lösungen für eine moderne Erwerbsgesellschaft", schreiben die Forscher. Und das Dilemma spitze sich zu. Denn die Minijobregelung sende ebenso wie das Ehegattensplitting an Frauen Signale aus, "die diametral dem entgegengesetzt sind, was der Staat von ihnen erwartet." Die steuer- und abgabenrechtliche Privilegierung setze einen ökonomischen Anreiz für Ehepaare, die Erwerbstätigkeit der Ehefrau auf den Minijob zu beschränken. Dagegen zielten das neue Unterhaltsrecht, die Aktivierungspolitik am Arbeitsmarkt oder die reformierte Hinterbliebenenversorgung zunehmend auf eine möglichst umfangreiche Erwerbstätigkeit und eine eigenständige Existenzsicherung von Frauen ab. Diese sei im Rahmen geringfügiger Beschäftigung ausgeschlossen. Zugleich verschärfe die massenhafte Nutzung von Minijobs Probleme auf dem Arbeitsmarkt, weil Löhne und reguläre Beschäftigung unter Druck geraten.




(Quelle: Hans-Böckler-Stiftung)

<< Zurück

Kommentar


NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben (Tragen Sie Ihr Kommentar in das Feld ein)
 


>Finanztest: Banken schludern bei Kreditberatung
>Unternehmen verschlafen demographischen Wandel
>adidas im Schwitzkasten: Wo bleiben die Löhne?
>Verletzt DHL Arbeitsrecht außerhalb Europas?
>Integrationspolitik zerschellt am Föderalismus
>Neuer Preis für Zivilcourage und Toleranz
>Arbeitskosten steigen im EU-Schnitt langsamer
>Zwangsarbeit für Modemarken
>Vermögende für Vermögensabgabe
>Agrarpolitik: 60 Milliarden Euro und wo ist der Markt?!
>Amnesty Bericht zur Diskriminierung von Muslims in Europa
>Jedes Jahr sterben 1,4 Millionen Jugendliche
>Betrug beim Lebensmitteleinkauf
>"Normalarbeit" auf Rückzug
>Forum für nachhaltigen Kakao: Alles Greenwashing?
>Für faire Milchpreise
>Amnesty International gewinnt endgültig alle Glock-Verfahren
>Bildungspaket funktioniert nicht
>Junge Erwachsene sind die Verlierer am Arbeitsmarkt
>Abschieben von Kindern
>Todesstrafe gestiegen
>Studie: Leiharbeiter verdienen bis zu 50% weniger
>Kritik an Deutscher Bank hält an
>Chefinnen verdienen 20% weniger
>Petition für faire Arbeit
>Rechtsextreme überfallen Döner-Imbiß: Polizei versagt?
>Umfrage: Zeitarbeit, Armut und Demokratie
>Weltzensurtag und Feinde des Webs
>70 Prozent der Armen weltweit sind Frauen
>Finanzmarkaufsichtsreform
>Breitseite für Facebook
>UN-Trinkwasserbericht
>vzbv mahnt Google ab
>Pendlerpausche soll sozial und ökologisch werden
>Umfrage: 60% der Deutschen wissen was Nachhaltigkeit ist
>Energiepreise für Private galoppieren davon
>Das Ei, der Käfig und die EU
>Armut: 300.000 Menschen können nicht heizen
>Sozialdumping: 20% Minijobs, davon 90% im Niedriglohn
>Keine Kindersoldaten
>Hungerkatastrophe im Südsudan droht
>foodwatch hat Klage gegen Unilever eingereicht
>Pharma: Transparceny fordert transparente Daten
>Studie: 18.000 neue Jobs in der Offshore-Windenergie
>Solarstrom kann Börsepreis Strom bis zu 10% senken
>Ackermann: Versprechen wird nicht eingehalten
>Public Eye Award: Schmähpreise an VALE und BARCLAYS
>Strompreise steigen
>Hungerkrisen und Verteilungskonflikte
>Pflege und Schlechtreform
Anzeige
comdirect

Glocalist Medien: Offizielles Projekt der
UN-Weltdekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung"