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VERMISCHTES

Kritik an ISO 26000 - CSR-Normvorschlag


Wien (1.11.10): Heute, am 1. November, wird das von der International Standards Organization (ISO) verfasste Dokument ISO 26000 “Guidance on Social Responsibility“ veröffentlicht.
Der Verein NeSoVe befürchtet Rückschritt für Österreich und weiterhin Beliebigkeit statt Regeln Damit soll zum ersten Mal ein Dokument für die Definition gesellschaftlicher Verantwortung weltweite Gültigkeit erlangen.

Das Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe) ist eine CSR-Plattform von Gewerkschaften, BetriebsrätInnen und NGOs aus den Bereichen Umwelt, Menschenrechte und Entwicklungszusammenarbeit, die aus zivilgesellschaftlicher Perspektive zum Thema Corporate Social Responsibility (CSR) arbeitet.


ISO 26000 sei unzureichend

Der Anspruch der ISO 26000 ist aus der Perspektive eines reichen Industrielandes wie Österreich absolut unzureichend und stellt einen Rückschritt gegenüber bestehenden gesetzlichen Regeln dar, führt NeSoVe aus. „In vielen Fällen liegt das Niveau der ISO 26000 unterhalb der in Europa bzw. Österreich geltenden Gesetze“, konstatiert Petra Kreinecker, Geschäftsführerin von NeSoVe.

Wichtiger erster Schritt, aber verbindliche Richtlinien fehlen weiterhin

Das ambitionierte Ziel der „Guidance on Social Responsibility“ wird eindeutig verfehlt, denn das Dokument ist keine Norm, sondern lediglich ein Leitfaden, der Organisationen und Unternehmen Tipps und Empfehlungen gibt.

Die ISO hat weitgehend die Möglichkeit verpasst, Mindeststandards in Form klarer Empfehlungen festzulegen. „Leider sind die Empfehlungen der ISO 26000 nicht ausreichend präzise formuliert und daher vielfältig interpretierbar“ so Eva Angerler, Vorstandsvorsitzende von NeSoVe und Gewerkschafterin.

Achtung von Rechtsstaatlichkeit sollte eigentlich selbstverständlich sein
Einige Grundprinzipien wie etwa die Einhaltung von internationalen Verhaltensstandards und nationalen Gesetzen wurden festgehalten. Die Achtung der Rechtsstaatlichkeit und internationaler Menschenrechtsstandards sind allerdings zentrale Prinzipien und somit vorauszusetzen.

„Von einem Unternehmen, das sich zu umfassender gesellschaftlicher Verantwortung bekennt, erwartet man aber deutlich mehr“, so Eva Angerler. Bezüglich der Kernthemen Menschenrechte, Umwelt, faire Arbeitsbedingungen oder KonsumentInnenschutz, werden Hinweise gegeben, die Themen zu behandeln. Bei der Auswahl der verschiedenen Handlungsfelder haben die Unternehmen jedoch freie Hand.

„So können Unternehmen weiterhin den Umfang gesellschaftlicher Verantwortung nach dem Motto ‘pick and choose‘ selbst definieren“, so Petra Kreinecker weiter. Auch wird die Erstellung eines Berichtes zwar empfohlen, dessen Gestaltung bleibt aber weitgehend den Firmen überlassen.

NeSoVe sieht Verpflichtung des Gesetzgebers

Es ist zu befürchten, dass die ISO 26000 missbräuchlich verwendet wird, indem Unternehmen fragwürdige Konzepte als CSR verkaufen. Bloße Marketing-Aktivitäten könnten durch die Bezugnahme auf ISO 26000 legitimiert werden. Laut NeSoVe könnte der Leitfaden sein ausdrückliches Ziel – nämlich einen weit reichenden Beitrag zur zukunftsfähigen Entwicklung zu leisten – weit verfehlen. Petra Kreinecker sieht eine Verpflichtung des Gesetzgebers, die notwendigen Rahmenbedingungen für sozial verantwortliches Handeln herzustellen: „Freiwillige Ansätze können nur ergänzen und dürfen gesetzliche Lösungen keinesfalls unterlaufen.“

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