Die EU ist bei Hochtechnologiemetallen wie Kobalt, Platin, Seltene Erden und Titan hochgradig importabhängig. Diese Metalle spielen unter anderem eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung innovativer "Umwelttechnologien" zur Förderung von Energieeffizienz und zur Senkung der Treibhausgasemissionen. Mineralische Rohstoffe werden u. a. für Mobiltelefone, Dünnschichtphotovoltaikmodule, Lithium-Ionen-Batterien, Glasfaserkabel und synthetische Treibstoffe verwendet.
Nach Auffassung der Expertengruppe sind 14 mineralische Rohstoffe für die Europäische Union von entscheidender Bedeutung, nämlich Antimon, Beryllium, Kobalt, Flussspat, Gallium, Germanium, Graphit, Indium, Magnesium, Niob, Metalle der Platingruppe, seltene Erden, Tantal und Wolfram. Prognosen zufolge wird sich bis zum Jahr 2030 die Nachfrage nach einigen dieser Rohstoffe gegenüber 2006 mehr als verdreifachen. Es treten zunehmend Engpässe auf.
In der zum allerersten Mal erstellten Bestandsaufnahme des Zugangs zu Rohstoffen in der EU werden von den 41 analysierten Mineralien und Metallen diese 14 als „kritisch“ eingestuft. Die Nachfrage nach Rohstoffen steigt durch das Wachstum der Schwellenländer und durch das Aufkommen neuer Zukunftstechnologien weiter an. Die Liste wurde im Rahmen der EU-Rohstoffinitiative von 20081 in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und Interessengruppen aufgestellt. Die Ergebnisse des Berichts werden in den Entwurf für eine Mitteilung über Strategien zur Sicherstellung des Zugangs zu Rohstoffen einfließen, die die Kommission im Herbst 2010 veröffentlichen wird.
Die große Gefahr einer Verknappung der „kritischen“ Rohstoffe hängt vor allem damit zusammen, dass ein großer Teil der weltweiten Produktion auf einige wenige Länder entfällt, dies sind vor allem China, Russland, die Demokratische Republik Kongo und Brasilien. Diese Konzentration der Produktion geht in vielen Fällen mit geringer Nachhaltigkeit und einem niedrigen Recyclinganteil einher.
Im Rahmen ihrer Strategie zur industriellen Entwicklung suchen viele Schwellenländer, sich durch handelspolitische und fiskalische Instrumente sowie durch Investitionslenkung die alleinige Nutzung ihrer Ressourcen zu sichern.
Einer der Hauptfaktoren, der die zukünftige wirtschaftliche Bedeutung von Rohstoffen beeinflusst, ist der technologische Wandel, der voraussichtlich zu einem drastischen Anstieg der Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen führen wird. Zudem kommt, dass es an Ersatzstoffen fehlt.
Zur Überwindung der derzeitigen Probleme empfiehlt die Gruppe folgende Maßnahmen:
• fünfjährliche Aktualisierung der Liste der für die EU lebenswichtigen Rohstoffe und weiter gefasste Bewertung, ob die Versorgung mit einem Rohstoff als „kritisch“ einzustufen ist,
• politische Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zu Primärressourcen,
politische Maßnahmen zum effizienteren Recycling von Rohstoffen oder rohstoffhaltigen Produkten,
• Förderung des Ersatzes bestimmter Rohstoffe durch andere Werkstoffe, insbesondere durch Unterstützung der Forschung zu Ersatzstoffen für knappe Rohstoffe,
• Verbesserung der allgemeinen Werkstoffeffizienz bei knappen Rohstoffen.
Vizepräsident Tajani ist soeben von dem Treffen der Europäischen Kommission mit der Kommission der Afrikanischen Union in Addis Abeba am 8. Juni 2010 zurückgekehrt. Dort wurden die Entwicklung einer bilateralen Kooperation auf dem Gebiet der Rohstoffe und die gemeinsame Arbeit an weiteren Fortschritten und Initiativen, insbesondere bei Themen wie der Governance, der Infrastruktur, den Investitionen und des geologischen Know-hows vereinbart.







