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WIRTSCHAFT

Deutsche Solarindustrie vor Wachstum und Konsolidierung


Düsseldorf (7.6.10): Der Markt der deutschen Solarzulieferer steht vor einer Konsolidierung. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Wiesbaden Business School im Auftrag der Ventizz Private Equity AG.
Prognostiziert wird von den Teilnehmern für die nächsten Jahre starkes Wachstum bei gleichzeitig sinkender Zahl der Zulieferer. Dabei zeichnet sich eine weitere Internationalisierung des Absatzes und der Produktion ab – vor allem Richtung Asien.

Die Mehrheit der befragten deutschen Solarzulieferer sieht eine Konsolidierungswelle innerhalb der nächsten zwei Jahre auf die Branche zukommen. Mehr als 40% der Unternehmen verhalten sich jedoch noch passiv – sie planen also nicht aktiv Übernahmen oder Fusionen beziehungsweise bereiten sich auf entsprechende Gespräche vor.

Diese Passivität könnte einen Ausverkauf deutscher Technologie ins Ausland begünstigen und somit die Weltmarktstellung der deutschen Solarzulieferer gefährden. „Besonders ausländische Investoren sehen in diesem Prozess eine Chance, sich deutsches Know-how anzueignen.“ kommentiert Dr. Helmut Vorndran, Partner bei Ventizz Capital Partners, dieses Ergebnis der Studie.

„Es könnte sich bei den Solarzulieferern also wiederholen, was sich bereits in anderen Branchen wie zum Beispiel bei den Werkzeugmaschinenherstellern gezeigt hat: Deren Kompetenzzentren verlagern sich zunehmend von Deutschland nach China oder Südkorea. Somit könnte mit den Solarzulieferern nun abermals eine deutsche Domäne in Gefahr geraten.“

Dabei prognostizieren die Zulieferer der Branche starkes Wachstum vor allem in den Segmenten Dünnschicht-Technologie und kristalline Solarmodule. Mehrheitlich verzeichnen die Studienteilnehmer zum Ende des ersten Quartals 2010 einen zum Teil erheblichen Anstieg des Auftragseingangs im Vergleich zum Vorjahr.

Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Trend zur Verlagerung von Absatz und Produktion aus Deutschland und Europa vornehmlich nach Asien und zu einem geringeren Teil auch nach Nordamerika. Jedes dritte Unternehmen identifiziert auf dem prognostizierten Expansions- und Wachstumskurs die Finanzierung als Hindernis – konsequent nennen die Experten eine hohe Eigenkapitalquote als wichtige Eigenschaft für die Zukunft.

Private Equity-Gesellschaften, die neben dem Kapitalmarkt als Eigenkapitalgeber in Frage kommen, steht die Branche jedoch mehrheitlich skeptisch gegenüber. „Damit sich ein Solarzulieferer eine Zusammenarbeit mit einem Private Equity-Investor vorstellen kann, muss dieser vor allem die Branche verstehen, ein starkes Netzwerk besitzen und ausreichend Mittel für Folgefinanzierungen aufweisen“, fasst Dr. Vorndran zusammen.

Insgesamt nahmen an der Expertenbefragung Entscheidungsträger von 22 ausgewählten Solarzulieferern in Deutschland teil. Die Erhebung wurde mittels einer Online-Befragung im Zeitraum vom 22. März 2010 bis zum 11. Mai 2010 von der Wiesbaden Business School unter fachlicher Leitung des Private Equity-Experten Prof. Dr. Stefan Jugel durchgeführt.

73% der Teilnehmer gehen von einer Konsolidierung der Solarzulieferer-Branche aus, 59% erwarten diese innerhalb der nächsten zwei Jahre. Gleichzeitig geben rund 41% der Teilnehmer an, sich bislang passiv zu verhalten und erst einmal abzuwarten, statt sich aktiv damit zu befassen. Es scheint, als seien die hiesigen Solarzulieferer nicht optimal auf diesen Prozess vorbereitet, um möglichen Übernahmebestrebungen durch internationale Wettbewerber oder ausländische Investoren zu begegnen.

64% der Teilnehmer haben ihre Absatzaktivitäten in Asien in den vergangenen 12 bis 18 Monaten verstärkt. 45% verlagerten ihre Produktion im selben Zeitraum teilweise dorthin. Für die Zulieferunternehmen wird sich auch zukünftig die Frage stellen, welchen Teil ihrer Produktion sie in Deutschland bzw. im Ausland realisieren wollen.

Der Auftragseingang bei den Solarzulieferern zeigt sich deutlich verbessert gegenüber dem Vorjahr. 64% der Teilnehmer verzeichneten eine Verbesserung, 14% sogar um über 50%. Erwartet wird für die nächsten Jahre insgesamt starkes Wachstum. Vor allem im Bereich der Dünnschicht-Technologie prognostizieren 73% der Befragten einen Boom – 55% rechnen bei der Herstellung von kristallinen Solarmodulen ebenfalls mit einer solchen Entwicklung. Die Unternehmen erkennen, dass sie größer und professioneller werden sowie in Forschung und Entwicklung (63,6%), Vertrieb (36,4%) und gute Mitarbeiter (36,4%) investieren müssen.

Die klassische Fremdkapitalaufnahme über eine Bank wird immer noch von über einem Drittel der Teilnehmer als Finanzierungslösung bevorzugt. Finanzierungsengpässe hemmen aber bei rund jedem Dritten die Geschäftstätigkeit. Über die Hälfte der Befragten gibt dabei eine hohe Eigenkapitalquote als Schlüsseleigenschaft der Zukunft an.

Nur 27% der Teilnehmer haben dabei bereits Zugang zum Kapitalmarkt. Private Equity-Fonds als Eigenkapitalgeber steht die Branche heute jedoch noch etwas zurückhaltend gegenüber: So meint knapp über die Hälfte der Teilnehmer, Private Equity könne keinen ausreichend positiven Beitrag in der Branche leisten.

Wenn der richtige Investor aber kommt, ist etwa jeder fünfte Studienteilnehmer bereit, einen wesentlichen Anteil am eigenen Unternehmen im Interesse weiteren Wachstums abzugeben. Folgerichtig nennen von allen befragten Solarzulieferern 50,0% das Branchenverständnis, 45,5% ein Netzwerk innerhalb ihrer Branche und 40,9% ausreichende Mittel auch für eine Folgefinanzierung als ausschlaggebende Kriterien für eine mögliche Zusammenarbeit mit einem Private Equity-Investor.

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