Im Zeitalter des Emissionshandels könnte und sollte sich das allerdings ändern. Denn tatsächlich sind Moore die effektivsten Kohlenstoffspeicher, die es gibt. Derzeit werden sie aber im großen Stil in Ackerland für vermeintlich klimafreundliche Biotreibstoffe umgewandelt. Das ist absurd.
Diese trockengelegten Moore machen einen riesigen Teil der weltweiten CO2-Emissionen aus. Im Kyoto-Protokoll ist diese große Bedeutung jedoch noch nicht verankert. Die Renaturierung und Erhaltung von Mooren können Staaten bisher nicht als Klimaschutzmaßnahme anrechnen. Stattdessen legen die Regelungen Steine in den Weg.
Der Niederländer Prof. Hans Joosten, Professor an der Universität Greifswald, setzt sich bei der Weltklimakonferenz in Durban für eine stärkere Beachtung der Moore in der Klimarahmenkonvention ein.
Gigaspeicher Moor
Denn Moore spielen im globalen Kohlenstoffhaushalt eine größere Rolle als weithin bekannt ist. Sie nehmen global nur etwa drei Prozent der Landoberfläche der Erde ein, speichern jedoch doppelt soviel Kohlenstoff wie die Bäume aller Wälder der Erde zusammen.
550 Gigatonnen Kohlenstoff, das entspricht drei Vierteln der Menge der gesamten Atmosphäre (800 Gigatonnen), haben sich hier über Jahrtausende Schicht für Schicht im Torf angesammelt und jährlich kommen bis zu 250 Mio. Tonnen dazu. Moore enthalten in unseren gemäßigten Breiten sieben Mal, in den Tropen sogar zehn Mal mehr Kohlenstoff als andere Ökosysteme.
Abgestorbene Pflanzenteile werden in einem Moor nicht vollständig abgebaut und mit Sauerstoff zu CO2 umgewandelt, sondern bleiben unter Luftabschluss als organisches Material erhalten: Die beste CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage)-Technologie, die man sich vorstellen kann, hat die Natur entwickelt, bilanziert Joosten.
Dennoch werden Moore weltweit zerstört. Denn Torfabbau und Landwirtschaft bringen wirtschaftliche Erträge. Doch diese Umwandlung, oft zur Produktion vermeintlich klimafreundlicher Energiepflanzen, und der Klimawandel machen die Moore zur Zeitbombe.
Denn wo viel lagert, entweicht auch viel, wenn die Funktion als Kohlenstoffsenke und -speicher ausfällt. Zerstörte Moore nehmen heute zwar nur 0,3 Prozent der globalen Landfläche ein, sind jedoch für sechs Prozent (zwei Gigatonnen) der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich. Und während ein abgeholzter Wald vor allem die Kohlenstoffmenge des oberirdischen Materials freisetzt, kann der Zersetzungsprozess eines Moores Jahrhunderte andauern.
„Effektiver Schutz und Wiederherstellung von Ökosystemen ist nur interessant, wenn die Länder davon auch wirtschaftlich etwas haben." ist Hans Joosten überzeugt. In der Klimarahmenkonvention würden dazu verschiedene Ansätze wie Zertifikathandel und REDD+ diskutiert. Auch Feuchtgebiete ließen sich dabei bereits anrechnen. Allerdings kritisiert Hans Joosten in einer aktuellen Publikation die bisherigen Regelungen im Kyoto-Protokoll als abschreckend.
Das derzeitige Kyoto-Protokoll blockiert
Der Haken an der Sachen: Entscheidet sich ein Land freiwillig für eine Aktivität (z.B. Grünlandbewirtschaftung), muss es allerdings die gesamte Treibhausgasbilanz auf allen Grünlandflächen, also auch die der umgewandelten Moore, betrachten.
Möchte z.B. Deutschland Emissionsreduktionen aus der Wiedervernässung von Moorgrünland anrechnen, müsste es nicht nur die etwa 600 km2 verrechnen, die schon wiedervernässt sind, sondern auch die restlichen 6.000 km2 an Moorgrünland, die noch immer entwässert sind, und außerdem die 60.000 km2Grünland auf Mineralboden.
Eine wenig attraktive Option, zu aufwendig, und am Ende stünde wohl bei den meisten Ländern eher eine negative Bilanz. Weshalb sich die meisten Länder für die Anrechnung ihrer Waldflächen entscheiden, da Holz schon heute einen direkten Marktwert hat und man die Differenz der Biomasse, die abgeholzt und die aufgeforstet wird, relativ gut erfassen kann.
Unternehmen im Vormarsch
Unternehmen haben die positive Emissionsbilanz als Faktor für ein gutes Image längst entdeckt. Während man sich auf Staatenebene noch gegen Verpflichtungen sträubt, werden auf freiwilliger Basis bereits viele Klimaschutzprojekte als Ausgleich der eigenen CO2-Bilanz gefördert.
Hierfür wurden verschiedene Maßstäbe entwickelt, die sich meist an jenen des Kyoto-Protokolls orientieren. Der Verified Carbon Standard VCS ist der wichtigste Standard für Landnutzungsprojekte und der einzige, der ein eigenes Programm für Moorprojekte anbietet. Über 600 Projekte weltweit werden danach durchgeführt.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat eine Möglichkeit für Privatpersonen geschaffen, ihre eigenen CO2-Emissionen, sei es durch Flüge oder die Nutzung von PKW, durch Unterstützung von Wiedervernässungsmaßnahmen auszugleichen. „Moor Futures" heißt das Zertifikat. Es steht für eine Tonne CO2 und kostet zwischen 10 und 50 Euro. Die Internetseite > www.moorfutures.de hält einen entsprechenden Rechner bereit.
(Quelle: nefo. Text von Sebastian Tilch. Mit freundlicher Genehmigung von nefo)




