Beide Faktoren führen den Euroraum als Ganzes in eine Rezession: Das BIP in der Währungszone sinkt um 0,6 Prozent im Jahresdurchschnitt 2012. Der Nachfragerückgang aus den Nachbarländern bremst sowohl die deutschen Exporte als auch die Investitionen in der Bundesrepublik.
Hinzu kommt, dass auch außerhalb Europas die wirtschaftliche Dynamik abnimmt: Die US-Wirtschaft erholt sich weiterhin nur schleppend und in vielen Ländern Asiens und Lateinamerikas verlangsamt sich das Wachstum - nicht zuletzt wegen der geringeren Nachfrage aus Europa.
Die wirtschaftliche Stagnation setzt auch der kräftigen Erholung am deutschen Arbeitsmarkt ein Ende: Die Arbeitslosigkeit sinkt im Jahresdurchschnitt 2012 zwar noch einmal geringfügig. Im Jahresverlauf wird sie aber wieder zunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung in seiner aktuellen Konjunkturprognose. Sie wird heute als IMK Report 69 veröffentlicht.
Gegenüber ihrer Prognose vom Oktober setzen die Forscher die Vorhersage für 2011 um 0,2 Prozentpunkte herunter. Für 2012 senkt das IMK die Prognose um 0,8 Prozentpunkte.
"Wir werden im kommenden Jahr erleben, welche Folgen ein harter Sparkurs bei unseren wichtigsten Handelspartnern im Euroraum hat. Ein Kurs, den insbesondere die Bundesregierung forciert hat", sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK.
"Natürlich müssen vor allem die Euro-Krisen-Staaten ihre Haushalte konsolidieren. Aber Austerität, wie sie jetzt auch in Italien, Frankreich, Großbritannien oder Belgien praktiziert wird, ist keine Strategie zur Krisenbewältigung, sondern verschärft die Vertrauenskrise im Euroraum. Wenn das Wachstum massiv einbricht, wird das den Konsolidierungserfolg sogar in Frage stellen. Und das dürfte die Anleger eher verunsichern als beruhigen."
Das IMK geht in seiner Prognose gleichwohl davon aus, dass sich die Staatsschuldenkrise im Euroraum bis Ende 2012 nicht dramatisch zuspitzen wird. Diese Erwartung ist vor allem an die Annahme geknüpft, dass die Europäische Zentralbank (EZB) letztlich weiterhin Staatsanleihen auf den Sekundärmärkten aufkauft, um das Zinsniveau zu dämpfen.
Allerdings schließen die Ökonomen eine weitere Eskalation auch nicht aus. In einem Risikoszenario haben sie daher berechnet, was es für die deutsche Wirtschaft bedeuten würde, wenn die EU-Staaten mit Konsolidierungsprogrammen ihre Defizit-Ziele verfehlen und daraufhin den Sparkurs verschärfen sollten. Im Risikoszenario könnte Deutschland 2012 in eine tiefe Rezession abrutschen, das BIP würde dann um 1,5 Prozent schrumpfen.
(Quelle: Hans-Böckler-Stiftung)




