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Mittwoch, 8. September 2010 - Eine andere Information ist möglich!
WIRTSCHAFT

UN-Studie: Konzerne der Welt zerstören die Natur


London (13.7.10/up-Date): Heute wurde der dritte Teil der UN-Studie TEEB präsentiert. Das Ergebnis: Die Konzerne der Welt zerstören die Natur und damit ihre eigene Märkte. Erste politische Reaktionen liegen vor.
Schaut so die unsichtbare Hand des Marktes aus? Sie ist vielleicht unsichtbar, weil es sie gar nicht gibt oder mehr eine geballte Faust ist, die blind zuschlägt. Vielleicht sollte man vor dem Hintergrund der TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) von der blinden Faust des Marktes eher sprechen.

Deutschland hatte die TEEB-Studie im Rahmen seiner G8-Präsidentschaft im Jahr 2007 gemeinsam mit der EU-Kommission initiiert, um den ökonomischen Wert der Natur besser einschätzen zu können, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schädigung von Ökosystemen zu erfassen und somit die Kosten des Nicht-Handelns zu beziffern.

Und es sind nicht Unternehmen per se, sondern die größten Unternehmen der Welt, sprich Konzerne. Rund 3.000 Konzerne verursachen Schäden von rund 1,7 Billionen Euro und das jährlich! Es stellt sich die Frage, ob wir uns Konzerne noch leisten können.

Weiters zeigt die UN-Studie, dass das Artensterben um den Faktor 100 schneller voranschreitet als bisher angenommen. Von den rund 1.100 befragten CEOs, sehen lediglich 25% das Artensterben als ein Problem an. Die Mehrheit der Konzerne glaubt noch immer, dass die natürlichen Ressourcen de facto unbegrenzt seien, was natürlich unhaltbar ist. Ein markanter Unterschied in der Einschätzung des Artensterbens ergibt sich, wenn man schaut auf den jeweiligen Herkunftshintergrund der CEOs blickt: Geschäftsführer in artenreichen Volkswirtschaften von Entwicklungs- und Schwellenländern sind besorgter über den Rückgang an "natürlichem Kapital". Rund 50 Prozent der befragten Firmenchefs in Lateinamerika und 45 Prozent in Afrika sehen im Rückgang der Biodiversität eine Gefahr für das Wirtschaftswachstum. Diese Bedenken teilen jedoch weniger als 20 Prozent ihrer Kollegen in Westeuropa.

Der NABU fordert pars pro toto ein klares Umdenken und verstärktes Engagement der Wirtschaft für den Erhalt von Lebensräumen und Arten. Andererseits werden jährlich allein mit ökologisch zertifizierten Agrarprodukten über 30 Milliarden Euro umgesetzt, Tendenz steigend.

"Wer die Natur schädigt, zerstört die Märkte der Zukunft. Natur und Arten zu erhalten sollte daher im ureigenen Interesse eines Unternehmens liegen", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Und einschlägige Umfragen zeigen deutlich: 80 Prozent der Verbraucher Produkte ab, deren Herstellung Schäden an Natur und Umwelt verursachen. Ob sie diese dann auch tatsächlich kaufen, weil meist teurer, ist eine andere Frage. Mit Mindestlohn und Sozialdumping geht das sicherlich nicht, woran man sieht wie eng ökonomische und soziale Nachhaltigkeit mit ökologischer Nachhaltigkeit verknüpft sind. Die weltweite Untersuchung zeige erneut, dass sich die Rücksichtnahme auf die biologische Vielfalt sich rechnen könnte und unternehmerischer Erfolg und der Erhalt von Arten und Lebensräumen untrennbar miteinander verknüpft sind.

"Wir treten in eine Epoche, wo die Billionen-Dollar-Verluste an natürlichen Ressourcen beginnen, die Märkte zu prägen und die Konsumenten zu beängstigen. In einer Welt, deren Bevölkerung bis 2050 von sechs auf neun Billionen Menschen wachsen wird, wird der Umgang mit Biodiversitätsrisiken für das Profil und die Rentabilität von Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewinnen", betont Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogrammes UNEP, das die TEEB-Studie in Auftrag gegeben hat.

Und man muss sich neuerlich fragen, warum die selbsternannte mediale Nachhaltigkeitsszene wie Utopia & Co das Thema nicht aufgreift (s.h. Kommentar "Das große Schweigen > bit.ly/bRvItY ).

Erste politische Reaktionen

Als erste Partei reagieren BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Undine Kurth, parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Naturschutzpolitik sagt: "Natürliche Ressourcen sind nicht unerschöpflich, auch wenn viele Politiker und Manager dies immer noch zu glauben scheinen. Der Schutz der Biodiversität kann nur Erfolg haben, wenn er als politische Querschnittsaufgabe ernst genommen wird. Politik und Unternehmen müssen hieraus die richtigen Konsequenzen ziehen. Wir fordern daher von der Bundesregierung eine konsequente Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie, insbesondere in den Branchen, die hauptsächlich den Verlust an biologischer Vielfalt zu verantworten haben – wie Landwirtschaft und Verkehr."

Verwandter Artikel auf Glocalist zu TEEB > bit.ly/a1snON

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