Man mag es als Ironie betrachten, aber es trifft den Kern der Tatsachen, denn die Ratingagenturen sind nicht mehr und nicht weniger als private Organisationen, die ihre mehr oder weniger bezahlte, private Meinungen abgeben. Ihre Argumentation wirkt oft inkonsistent wie aktuelle Länderratings zeigen. Jetzt wird zurückgeratet und ver.di hat sicher mehr gesellschaftliche Legitimität aufzuweisen als alle drei großen Ratingagenturen zusammen genommen.
Die aktuelle Diskussion ein europäisches Gegengewicht zu den US-amerikanischen Agenturen zu schaffen, ist in das Stocken geraten. Der diskutierte Ansatz, wonach die europäische Ratingagentur durch die europäischen Staaten via der EZB finanziert wird, ist auch nicht unproblematisch, aber immer noch besser als der aktuelle status quo.
Ein dritter möglicher Diskussionsansatz wäre, dass man eine gemeinnützige europäische Ratingagentur via einer zu gründenden unabhängigen Stiftung schafft. Damit wäre zumindest strukturell das Abhängigkeitsproblem gemildert, wenn auch nicht gänzlich beseitigt.
Zurück zu ver.di; die Gewerkschaft führt aus: "Die Bonitätsnote sinkt auf "Kaffeesatzleserei", teilte ver.di-Wirtschaftsexperte Dierk Hirschel am Sonntag mit. Den Ausblick schätzt ver.di als negativ ein. Große Risiken bestehen auch für die Moody-Wettbewerber Standard & Poor's und Fitch. Auch dort sei die Glaubwürdigkeit in den letzten Monaten dramatisch gesunken.
Hirschel begründete die Herabstufung mit dem dramatischen Versagen von Moody's vor und in der Finanzkrise. Die Ratingagentur begründet Veränderungen ihrer Bewertungen vollkommen willkürlich. Beispiel Schuldenkrise: Zunächst wurde die Herabstufung der Bonitätsnoten für südeuropäische Staaten damit begründet, dass deren Sparbemühungen nicht glaubhaft seien. Jetzt würden dieselben Staaten mit der Begründung herabgestuft, dass die Sparpakete die Konjunktur abzuwürgen drohten. Ein solches inkonsistentes Argumentationsmuster lasse auf einen akuten Mangel der Kernkompetenz "gesunder Menschenverstand" schließen.
Als weiteren Grund für die Abwertung von Moody's nannte Hirschel die enge wirtschaftliche Abhängigkeit der Ratingagentur von ihren Kunden aus der Finanzwirtschaft. Dies verhindere ein unabhängiges und fachlich fundiertes Urteil über Finanzprodukte und Finanzmarktakteure.
ver.di empfiehlt, Rating-Agenturen zukünftig vollständig zu entmachten. Die schlechte und inkompetente Bewertung von Moody's, Fitch und Standard & Poor's habe bereits massive volkswirtschaftliche Schäden verursacht. Deswegen müssten die Banken verpflichtet werden, die Kreditwürdigkeit von Finanzmarktakteuren selbst vorzunehmen. Die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Mitgliedsstaaten der Eurozone sollte die Europäische Zentralbank übernehmen."






