Forschung

Revolutionäre Schalltechnik enthüllt Hirngeheimnisse: „Ich sehe die Zukunft der Medizin“, sagt führender Neurologe voller Begeisterung

Lukas Müller Von Lukas Müller
4 Min. Lesezeit
Revolutionäre Schalltechnik enthüllt Hirngeheimnisse: „Ich sehe die Zukunft der Medizin“, sagt führender Neurologe voller Begeisterung
Illustration von der neuen Mikroskopietechnologie zur tiefen Gehirngewebeabbildung.
KURZ GESAGT
  • Die neue Mikroskopietechnologie vom MIT ermöglicht es, Gehirngewebe fünfmal tiefer zu erfassen als bisherige Systeme.
  • Durch die Kombination von Licht und Schallwellen können Forscher auf chemische Markierungen verzichten.
  • Das System eröffnet neue Perspektiven für die Neurowissenschaft und könnte in der Neurochirurgie Anwendung finden.
  • Die Forschung wurde durch renommierte Institutionen wie das National Institutes of Health unterstützt und in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.

Die Erforschung der menschlichen Hirnaktivität ist seit Jahrzehnten ein zentrales Thema der Neurowissenschaften. Ein neuartiges Mikroskopsystem des Massachusetts Institute of Technology (MIT) verspricht nun, die Grenzen der bisherigen Techniken zu überwinden. Durch die Nutzung von Licht zur Erzeugung von Schallwellen können Forscher Gehirngewebe fünfmal tiefer erfassen als jemals zuvor, ohne dabei auf chemische Markierungen zurückzugreifen. Diese bahnbrechende Methode könnte nicht nur die Grundlagenforschung in der Neurowissenschaft revolutionieren, sondern auch praktische Anwendungen in der Chirurgie finden.

Das Potenzial der neuen Technologie

Die kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass das neue System in der Lage ist, NAD(P)H, ein Molekül, das mit dem Zellstoffwechsel und neuronaler Aktivität in Verbindung steht, durch dichte Gewebeschichten zu detektieren. Getestet wurde es unter anderem an einem 1,1 Millimeter dicken, aus menschlichen Stammzellen abgeleiteten zerebralen Organoid und einem 0,7 Millimeter dicken Mäusehirngewebe.

„Als wir an die andere Seite des Glases stießen, wussten wir, dass wir an die Grenzen der Proben gestoßen sind“, erläuterte W. David Lee, der Postdoktorand, der das System mitentwickelt hat. Die verwendete Technologie basiert auf einer Methode der Dreiphotonenanregung, bei der ultrakurze Lichtimpulse mit dreifacher Wellenlänge des normalen Absorptionsspektrums der Moleküle ausgesendet werden.

Die meiste absorbierte Energie führt zu einer raschen, mikroskopischen thermischen Ausdehnung innerhalb der Zellen, die Schallwellen erzeugt. Diese werden von einem empfindlichen Ultraschallmikrofon aufgefangen und mittels Software in scharfe Bilder umgewandelt. Dieser Prozess wird als Dreiphotonen-Photoakustik-Bildgebung bezeichnet.

„Microsoft recycelt Kloabfälle!“: Diese Ungewöhnliche Strategie Reduziert Emissionen des KI-Riesen und Schockiert die Umweltwelt

Integration fortschrittlicher Bildgebungstechniken

Durch die Kombination von Dreiphotonenanregung, photoakustischer Detektion und kennzeichnungsfreier Bildgebung entstand ein System, das als „Multiphoton-In and Acoustic-Out“ bezeichnet wird. Diese Plattform ermöglicht eine präzise molekulare Detektion, ohne das Gewebe zu verändern.

Zusätzlich kann das System andere Moleküle wie GCaMP, einen Kalziumindikator zur Verfolgung neuronaler Aktivität, identifizieren. Die „Third-Harmonic-Generation“-Bildgebung kartiert zudem zelluläre Strukturen und bietet strukturelle und molekulare Details in einem Scan.

Co-Autor Tatsuya Osaki vom Picower Institute erklärte, dass das Ziel darin bestand, fortschrittliche Techniken in einem effizienten Prozess zu vereinen. Diese Fähigkeit könnte helfen, Zustände zu untersuchen, bei denen sich die NAD(P)H-Spiegel ändern, wie Alzheimer, Rett-Syndrom und Anfälle.

„Diese Mega-Damm wird die Welt verändern!“: Chinas Gigantisches 300-Milliarden-kWh-Wasserkraftwerk in Tibet sprengt Rekorde und setzt neue Maßstäbe für erneuerbare Energie

Da es ohne Markierungen arbeitet, könnte es auch bei Gehirnoperationen eingesetzt werden, um die Aktivität in Echtzeit zu kartieren. Ein weiteres Ziel ist die Erprobung des Systems in lebenden Organismen, wobei sowohl Lichtquelle als auch Mikrofon auf derselben Seite des Gewebes positioniert werden müssen.

Praktische Anwendungen und zukünftige Entwicklungen

Die potenziellen Anwendungen dieser Technologie sind vielfältig. Lee erwartet, dass das System bis zu 2 Millimeter tief in lebenden Gehirnen abbilden könnte. „Im Prinzip sollte es funktionieren“, sagte er. Frühere Arbeiten von Lee bei Precision Healing Inc. zeigten, dass NAD(P)H-Bildgebung zur Unterstützung der Wundbehandlung eingesetzt werden kann. Nun könnte dieser Ansatz auch in der Neurochirurgie und Hirnforschung wertvoll sein.

Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch das National Institutes of Health, das Simon Center for the Social Brain, das Picower Institute und weitere Quellen. Diese Unterstützung unterstreicht die Bedeutung und das Potenzial der Forschung, die weit über die Grundlagenwissenschaft hinausgeht.

„Wir haben den Durchbruch geschafft!“: Wissenschaftler Teleportieren Telekommunikations-Qubit zu Solidem Quanten-Speicher und Revolutionieren die Zukunft der Kommunikation

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Light: Science and Applications veröffentlicht, was die wissenschaftliche Relevanz und Anerkennung der Ergebnisse unterstreicht.

Herausforderungen und Perspektiven

Trotz der beeindruckenden Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen. Die Integration der Lichtquelle und des Mikrofons auf derselben Seite des Gewebes in lebenden Systemen stellt eine technische Hürde dar, die es zu überwinden gilt. Auch die langfristigen Auswirkungen und die Sicherheit der Technik in klinischen Anwendungen müssen noch umfassend untersucht werden.

Die Forscher sind zuversichtlich, dass diese Technologie in den kommenden Jahren weiterentwickelt und verfeinert wird. Der potenzielle Einfluss auf die Neurowissenschaften und die medizinische Praxis ist enorm. Die Fähigkeit, tiefere Einblicke in die Gehirnaktivität zu gewinnen, könnte neue Wege zur Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen eröffnen.

Wie wird sich diese Technologie in der klinischen Praxis etablieren und welche neuen Erkenntnisse wird sie in der Hirnforschung ermöglichen?

Dieser Artikel basiert auf verifizierten Quellen und wird durch redaktionelle Technologien unterstützt.
Lukas Müller

Forschung, Energie, Klima, Städte und Märkte

Lukas Müller

Lukas Müller hat als technischer Assistent in einem Forschungsinstitut für Meteorologie gearbeitet. Er schreibt über Forschung und Klima und geht dabei stets auf die Originalstudien zurück. Er fotografiert Wolkenformationen und führt darüber ein kleines Tagebuch.