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IBM Ehningen setzt auf KI gegen Kostendruck: Was der Standort bislang belegt

Ein Chatbot in der Personalabteilung, ein Quantencomputer und ein Pilot im Augsburger Jugendamt zeigen, wo KI Firmen in Deutschland entlasten soll.

Anna Schmidt Von Anna Schmidt
3 Min. Lesezeit
IBM Ehningen setzt auf KI gegen Kostendruck: Was der Standort bislang belegt
Zusammenarbeit am Laptop: Auf dem Tisch liegen ausgedruckte Diagramme, eine Lupe und ein Smartphone.

Kurz gesagt

  • Teure Energie, hohe Arbeitskosten und geopolitische Krisen belasten die Stimmung deutscher Unternehmen.
  • IBM bezog vor rund einem Jahr einen neuen Tech-Campus im baden-württembergischen Ehningen.
  • Der Mannheimer Betriebswirt Jannis Bischof sieht Firmen mit KI-Schwerpunkt besser gegen Kostendruck gerüstet.
  • Der IWF hat seine Wachstumsprognose für Deutschland in diesem Jahr auf 1,3 % angehoben.

IBM Deutschland setzt im Kampf gegen hohe Kosten auf Künstliche Intelligenz, wie die Tagesschau am 14. Oktober 2026 am Beispiel des Standorts Ehningen berichtet.

Die Frage dahinter betrifft weit mehr als einen Konzern: Was kann KI für Unternehmen leisten, die unter teurer Energie und hohen Löhnen ächzen? Die Antworten stammen vor allem von zwei Stimmen, der Geschäftsführerin von IBM Deutschland, Christine Rupp, und dem Betriebswirt Jannis Bischof von der Universität Mannheim. Ihre Einschätzungen bleiben Einschätzungen, ein Beleg dafür, dass KI die Probleme des Standorts löst, sind sie nicht.

Was Unternehmen in Deutschland belastet

Laut Umfragen der Universität Mannheim drücken vor allem drei Faktoren auf die Betriebe: die Energiepreise, die Arbeitskosten und geopolitische Unsicherheiten. Von der Politik erwarten die befragten Firmen, dass sie Standortnachteile abbaut und die Energiekosten senkt. Bischof nennt einen weiteren Hebel: „Unsere Unternehmenssteuern sind vergleichsweise hoch“.

Auch Rupp sieht strukturelle Schwächen. Genehmigungsverfahren seien schwerfällig, Risikokapital sei hierzulande schwerer zu bekommen als in anderen Ländern. Ein gewisser Lichtblick kommt aus Washington: Der Internationale Währungsfonds hat seine Erwartung für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr jüngst nach oben korrigiert. An der gedrückten Stimmung, besonders in der Industrie, ändert das nach dem Bericht wenig.

Zwei Hände tippen auf der Tastatur eines silbernen Laptops, der auf einem Holztisch steht.
Hände tippen auf einem Laptop, der auf einem Holztisch steht. Im unscharfen Hintergrund ist eine Zimmerpflanze zu sehen. Quelle: Pexels. Urheber: fauxels. Lizenz: Pexels License.

Der Campus in Ehningen als Schaufenster

Trotz dieser Lage hat sich IBM mit einem Neubau zum Standort bekannt. Rupp begründet das so:

„Wir sind eine der größten Volkswirtschaften der Welt, wir haben innovative Kunden, fantastische Talente und wir sind stark in der Forschung“

Christine Rupp, Geschäftsführerin von IBM Deutschland

2020Investition in den ersten Quantencomputer auf europäischem Boden, in Ehningen
300.000Beschäftigte zählt IBM weltweit, rund gerechnet
  • Forschung: In Ehningen sitzt eines der größten Forschungsteams des US-Konzerns.
  • Quantenrechner: Er dient vor allem der Forschung, teils im Verbund mit KI-Anwendungen.
  • Geschäftsmodell: IBM will mit KI-Lösungen für Großkunden punkten, die deren Abläufe straffen und so Zeit und Geld sparen sollen.
  • Dämpfer: Im Juli blieb der Konzern hinter den eigenen Erwartungen zurück, die Aktie brach drastisch ein.

Vom Jugendamt bis zur Personalabteilung

Wie solche Lösungen aussehen, zeigte ein Pilotprojekt in der Verwaltung des Jugendamts Augsburg. Dort berechnete eine KI Unterhaltszahlungen, um die Fachkräfte zu entlasten.

Im eigenen Haus will IBM die Technik ebenfalls einsetzen, etwa in sämtlichen verwaltenden Funktionen. Am deutlichsten ist das in der Personalabteilung: Alle Beschäftigten wenden sich mit ihren Anliegen an einen Chatbot. Dessen Einführung sorgte laut Rupp anfangs für Unruhe in der Belegschaft. Inzwischen setzen ihn alle Managerinnen und Manager für ihre Teams ein. Rupp zufolge sind die Bearbeitungszeiten seither um 75 % schneller geworden, eine Angabe des Unternehmens selbst.

Wem KI nützt und wo die Sorgen liegen

Für Bischof haben Konzerne mit KI-Schwerpunkt einen Vorsprung. Ihre Kunden akzeptierten höhere Preise, gestiegene Kosten ließen sich daher leichter weiterreichen. Erfolgreich sei die Einführung dort, wo Fachkräfte sie begleiten.

Chancen: leichtere Preisweitergabe, Entlastung von Fachkräften in der Verwaltung, schnellere interne Abläufe.

Risiken: Unruhe in Belegschaften bei der Einführung, Sorgen um Arbeitsplätze, Bedarf an Fort- und Weiterbildung.

Einen reinen Stellenabbau erwartet der Mannheimer Betriebswirt nicht. Rupp ordnet die Entwicklung grundsätzlicher ein: „KI ist eines der größten Veränderungselemente seit Jahrzehnten, vielleicht sogar seit der Industriellen Revolution.“ Mehr Debatten um Automatisierung und Berufe zeigt auch der Streit um KI in der Musikszene.

Die vollständige Reportage hat die Tagesschau veröffentlicht; das Thema lief zuvor am 13. Oktober im ARD-Mittagsmagazin.

Titelbild. Quelle: Pexels. Urheber: Yan Krukau. Lizenz: Pexels License.