Hessens älteste Hochschule feiert 500 Jahre mit elf Nobelpreisträgern
Aus Landgraf Philipps Plan für loyale evangelische Theologen und Juristen wurde Hessens älteste Hochschule, die nun 15 Monate lang ihre Geschichte beleuchtet.
Kurz gesagt
- Elf Nobelpreisträger haben in Marburg studiert, geforscht oder gelehrt.
- Das Marburg-Virus wurde 1967 über Versuchstiere aus Uganda eingeschleppt.
- Ein Marburger Halbleiter-Scheibenlaser übertraf den Leistungsrekord von 2010.
Mit rund 300 Veranstaltungen begeht die Philipps-Universität Marburg ihr 500-jähriges Bestehen, wie tagesschau.de berichtet. Die kommenden 15 Monate stehen im Zeichen dieses Jubiläums, in dem die Hochschule ihre Wissenschafts- und Universitätsgeschichte beleuchtet.
Gegründet im Zuge der Reformation
Landgraf Philipp von Hessen, genannt „der Großmütige“, gründete die Universität im Jahr 1527. Sie ist die älteste Hochschule Hessens und entstand auch wegen der Reformation. Philipp hatte diese ab 1524 in seinem Land eingeführt. Danach wollte er eine eigene Landesuniversität besitzen, um nicht länger auf Hochschulen mit katholischer Prägung angewiesen zu sein.
Der Nachwuchs sollte aus loyalen evangelischen Theologen, Beamten und Juristen bestehen. Der Start war überschaubar: Vier Fakultäten gab es, nämlich Theologie, Jura, Medizin und Philosophie.
Nobelpreise und Leibniz-Preise
Insgesamt elf Nobelpreisträger haben in Marburg studiert, geforscht oder gelehrt. Der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ging bislang 14 Mal an die Stadt. Die Berichte beschreiben ihn als eine Art deutschen Nobelpreis; eine amtliche Bezeichnung ist das nicht.

| Person | Auszeichnung und Leistung |
|---|---|
| Emil von Behring (1854-1917) | Medizin-Nobelpreis 1901 für die Entwicklung eines Diphtherie-Heilmittels; die Behringwerke gehen auf ihn zurück |
| Otto Hahn (1879-1968) | Chemiker, der die Kernspaltung entdeckte |
| Stefanie Dehnen | Leibniz-Preis 2022 für ihre Untersuchung von Metall-Atom-Verbünden, den sogenannten Clustern, und deren Potenzial, Energie zu übertragen und zu speichern |
| Tobias Erb | Zuletzt Leibniz-Preis, verliehen für seine Forschung zur Fotosynthese |
Wie der Nobelpreis als Maßstab für Forschung wirkt, zeigt auch der Beitrag zum Nobelpreis für Hegemann, Nagel und Deisseroth.
Das Marburg-Virus von 1967
Zu den bekanntesten Entdeckungen zählt wahrscheinlich das Marburg-Virus, das den Namen der Stadt trägt. Eine rätselhafte Krankheit versetzte Marburg im Sommer 1967 in einen Ausnahmezustand. Auch das Diphtherie-Heilmittel von Behring gilt als berühmte Marburger Entdeckung.
- 31 Menschen erkranken an schweren inneren Blutungen, sieben von ihnen sterben.
- Grüne Meerkatzen aus Uganda, die in den Behringwerken zur Impfstoffherstellung dienten, hatten das Virus eingeschleppt.
- Dem Marburger Virologen Werner Slenczka gelang es, den Erreger mit einer neuen Untersuchungsmethode zu isolieren.
Vom Fernseher bis zum Rekordlaser
- Fernsehen: 1897 stellte der Physiker Ferdinand Braun die Braunsche Röhre vor. In ihr entsteht ein Elektronenstrahl, den elektrische oder magnetische Felder ablenken. Trifft er auf eine Leuchtstoff-Schicht, wird ein Bild sichtbar. Diese Erfindung machte den Fernseher möglich.
- Hörforschung: Ein Marburger Team entdeckte kürzlich das bis dahin unbekannte Protein TMEM145. Es ist ein zentraler Bestandteil der äußeren Haarzellen im Innenohr, die Schall verstärken und das Hören sehr leiser Töne ermöglichen. Die Entdeckung könnte ein Meilenstein für Diagnostik und Therapie von Hörstörungen werden.
- Laser: Ein in Marburg entwickelter Halbleiter-Scheibenlaser erreichte erstmals eine kontinuierliche Ausgangsleistung von über 100 Watt. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2010 lag bei 40 Watt. Solche Laser kommen etwa in der Spektroskopie und der Medizintechnik zum Einsatz.
Eine Stadt der Studierenden
Marburg zählt zu den Städten mit dem höchsten Studierendenanteil an der Bevölkerung in Deutschland; zeitweise sind es bis zu 30 Prozent. Einen Allzeitrekord stellte die Universität zum Wintersemester 2013 auf, als die Zahl der Studierenden rund 25.000 erreichte.
Foto: Isaac Cedercrantz / Pexels



