Hessens älteste Hochschule feiert 500 Jahre mit elf Nobelpreisträgern

Aus Landgraf Philipps Plan für loyale evangelische Theologen und Juristen wurde Hessens älteste Hochschule, die nun 15 Monate lang ihre Geschichte beleuchtet.

Anna Schmidt Von Anna Schmidt
3 Min. Lesezeit
Hessens älteste Hochschule feiert 500 Jahre mit elf Nobelpreisträgern
Ein historisches Backsteingebäude mit Treppengiebeln und rotem Efeu, davor Laub und eine Treppe an einem nebligen Herbsttag.

Kurz gesagt

  • Elf Nobelpreisträger haben in Marburg studiert, geforscht oder gelehrt.
  • Das Marburg-Virus wurde 1967 über Versuchstiere aus Uganda eingeschleppt.
  • Ein Marburger Halbleiter-Scheibenlaser übertraf den Leistungsrekord von 2010.

Mit rund 300 Veranstaltungen begeht die Philipps-Universität Marburg ihr 500-jähriges Bestehen, wie tagesschau.de berichtet. Die kommenden 15 Monate stehen im Zeichen dieses Jubiläums, in dem die Hochschule ihre Wissenschafts- und Universitätsgeschichte beleuchtet.

Gegründet im Zuge der Reformation

1527Gründungsjahr durch Landgraf Philipp von Hessen
etwa 90Studenten bei der Gründung, dazu elf Professoren

Landgraf Philipp von Hessen, genannt „der Großmütige“, gründete die Universität im Jahr 1527. Sie ist die älteste Hochschule Hessens und entstand auch wegen der Reformation. Philipp hatte diese ab 1524 in seinem Land eingeführt. Danach wollte er eine eigene Landesuniversität besitzen, um nicht länger auf Hochschulen mit katholischer Prägung angewiesen zu sein.

Der Nachwuchs sollte aus loyalen evangelischen Theologen, Beamten und Juristen bestehen. Der Start war überschaubar: Vier Fakultäten gab es, nämlich Theologie, Jura, Medizin und Philosophie.

Nobelpreise und Leibniz-Preise

Insgesamt elf Nobelpreisträger haben in Marburg studiert, geforscht oder gelehrt. Der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ging bislang 14 Mal an die Stadt. Die Berichte beschreiben ihn als eine Art deutschen Nobelpreis; eine amtliche Bezeichnung ist das nicht.

Eine Person mit Laborkittel, Schutzbrille und blauen Handschuhen blickt in einem hellen Labor durch ein Mikroskop.
Forschung im Labor: Eine Person mit Schutzbrille und Handschuhen arbeitet am Mikroskop. Symbolbild ohne Ortsangabe. Foto: Edward Jenner / Pexels
Person Auszeichnung und Leistung
Emil von Behring (1854-1917) Medizin-Nobelpreis 1901 für die Entwicklung eines Diphtherie-Heilmittels; die Behringwerke gehen auf ihn zurück
Otto Hahn (1879-1968) Chemiker, der die Kernspaltung entdeckte
Stefanie Dehnen Leibniz-Preis 2022 für ihre Untersuchung von Metall-Atom-Verbünden, den sogenannten Clustern, und deren Potenzial, Energie zu übertragen und zu speichern
Tobias Erb Zuletzt Leibniz-Preis, verliehen für seine Forschung zur Fotosynthese

Wie der Nobelpreis als Maßstab für Forschung wirkt, zeigt auch der Beitrag zum Nobelpreis für Hegemann, Nagel und Deisseroth.

Das Marburg-Virus von 1967

Zu den bekanntesten Entdeckungen zählt wahrscheinlich das Marburg-Virus, das den Namen der Stadt trägt. Eine rätselhafte Krankheit versetzte Marburg im Sommer 1967 in einen Ausnahmezustand. Auch das Diphtherie-Heilmittel von Behring gilt als berühmte Marburger Entdeckung.

  1. 31 Menschen erkranken an schweren inneren Blutungen, sieben von ihnen sterben.
  2. Grüne Meerkatzen aus Uganda, die in den Behringwerken zur Impfstoffherstellung dienten, hatten das Virus eingeschleppt.
  3. Dem Marburger Virologen Werner Slenczka gelang es, den Erreger mit einer neuen Untersuchungsmethode zu isolieren.

Vom Fernseher bis zum Rekordlaser

  • Fernsehen: 1897 stellte der Physiker Ferdinand Braun die Braunsche Röhre vor. In ihr entsteht ein Elektronenstrahl, den elektrische oder magnetische Felder ablenken. Trifft er auf eine Leuchtstoff-Schicht, wird ein Bild sichtbar. Diese Erfindung machte den Fernseher möglich.
  • Hörforschung: Ein Marburger Team entdeckte kürzlich das bis dahin unbekannte Protein TMEM145. Es ist ein zentraler Bestandteil der äußeren Haarzellen im Innenohr, die Schall verstärken und das Hören sehr leiser Töne ermöglichen. Die Entdeckung könnte ein Meilenstein für Diagnostik und Therapie von Hörstörungen werden.
  • Laser: Ein in Marburg entwickelter Halbleiter-Scheibenlaser erreichte erstmals eine kontinuierliche Ausgangsleistung von über 100 Watt. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2010 lag bei 40 Watt. Solche Laser kommen etwa in der Spektroskopie und der Medizintechnik zum Einsatz.

Eine Stadt der Studierenden

Marburg zählt zu den Städten mit dem höchsten Studierendenanteil an der Bevölkerung in Deutschland; zeitweise sind es bis zu 30 Prozent. Einen Allzeitrekord stellte die Universität zum Wintersemester 2013 auf, als die Zahl der Studierenden rund 25.000 erreichte.

Foto: Isaac Cedercrantz / Pexels

Anna Schmidt

Forschung, Energie, Klima, Städte und Märkte

Anna Schmidt

Anna Schmidt hat mehrere Jahre in der Pressestelle einer Stadtverwaltung in Nordrhein-Westfalen gearbeitet. Bei Glocalist schreibt sie über Politik, Städte und aktuelle Nachrichten, besonders über kommunale Entscheidungen. Sie fährt jeden Tag mit dem Rad ins Büro, auch im Winter.