Physik-Nobelpreis 2026 für Francis Halzen und das IceCube-Observatorium
Francis Halzen erhält den Physik-Nobelpreis 2026 für seinen Beitrag zum IceCube-Observatorium, das im Eis des Südpols Neutrinos aus dem All nachweist.
Der Physik-Nobelpreis 2026 geht an Francis Halzen, einen gebürtigen Belgier, der in den USA forscht. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften gab die Entscheidung am Dienstag in Stockholm bekannt. SRF zufolge würdigt das Komitee damit, dass er wesentlich zum IceCube-Neutrino-Observatorium beigetragen und hochenergetische Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs entdeckt hat.
Kurz gesagt
- Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften gab die Entscheidung am Dienstag in Stockholm bekannt.
- Neutrinos fliegen dagegen geradeaus und zeigen auf ihren Ursprung.
- Am Tag zuvor wurde bereits der Medizin-Nobelpreis vergeben; mehr zur Optogenetik als Lichtschalter für Nervenzellen lesen Sie in unserem Beitrag dazu.
Eine Idee aus dem Jahr 1988
Halzen wurde 1944 in Tienen in Belgien geboren und ist heute 82 Jahre alt. Er forscht an der University of Wisconsin-Madison. Dem Nobelkomitee zufolge erkannte er, dass sich das Eis am Südpol eignet, um Neutrinos aufzuspüren. Seine Pläne präsentierte er erstmals 1988. Mark Pearce, Vorsitzender des Physik-Nobelkomitees, sagte laut tagesschau: «Seine Hartnäckigkeit und wissenschaftliche Vision haben den Weg für eine neue Art der Astronomie geebnet».
Vorgeschlagen wurde Halzen von Laura Baudis (Universität Zürich) und Teresa Montaruli (Universität Genf) gemeinsam, dieses Jahr schon zum dritten Mal, wie Montaruli gegenüber SRF sagte. Halzen selbst nannte den Preis eine große Überraschung und äußerte die Hoffnung, dass er die Arbeit all der mutigen Menschen widerspiegle, die sich ihm zu Beginn des Projekts angeschlossen haben.
Warum Neutrinos so schwer zu fassen sind
Neutrinos sind elektrisch neutral und besitzen fast keine Masse. Sie reagieren nur äußerst schwach mit Materie. Zugleich gibt es sie in riesiger Zahl: Laut tagesschau treffen im Mittel zehn Milliarden pro Sekunde auf jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche. Das Nobelkomitee nennt sie die «scheuesten des Universums».
Gerade diese Eigenschaft macht sie für die Forschung interessant. Geladene kosmische Strahlung wird von Magnetfeldern abgelenkt, sodass ihre Flugrichtung auf der Erde nichts mehr über die Quelle verrät. Neutrinos fliegen dagegen geradeaus und zeigen auf ihren Ursprung. Bernhard Mehlig von der Akademie sagte dazu: «Sie fliegen aus astrophysikalischen Quellen, die Millionen oder sogar Milliarden Lichtjahre entfernt liegen, ohne Wechselwirkung zur Erde. Dabei behalten sie alle Informationen darüber, woher sie kommen.»
So arbeitet der Detektor im Eis
Um Neutrinos nachzuweisen, braucht man große Mengen eines möglichst reinen Stoffes, mit dem sie reagieren können. Wasser ist ein solcher Stoff, und im Eis der Antarktis liegt es in ausreichender Reinheit und Menge vor. Reagiert ein Neutrino mit einem Wassermolekül, entstehen elektrisch geladene Teilchen, die fast mit Lichtgeschwindigkeit durch das Eis rasen und dabei Tscherenkow-Strahlung aussenden. Wie t3n erklärt, handelt es sich bei diesen Teilchen um Myonen. Der Detektor fängt ihr Licht auf, und daraus lässt sich die Richtung bestimmen, aus der das Neutrino kam.
IceCube in Zahlen und Etappen
- Halzen präsentiert erstmals seine Pläne.
- Am Heiligabend senkt sein Team das erste Kabel mit Lichtsensoren ins Eis. Halzen erhält die E-Mail «First string deployed», wie er später in einem Essay schilderte.
- IceCube ist fertiggestellt.
- IceCube weist erstmals Neutrinos aus dem fernen All nach.
Seither verfolgen die Forschenden die Spur dieser Neutrinos zurück. Laut SRF weist sie auf eine Galaxie mit einem gewaltigen Schwarzen Loch hin; gesichert ist dieser Befund bislang jedoch nicht.
Eine Auszeichnung, hinter der Hunderte stehen
Den Preis erhält Halzen allein, doch an IceCube arbeiten nach Angaben von Pearce mehr als 450 Menschen aus 14 Ländern. Das Projekt sei so umfangreich, dass es unmöglich sei, die gesamte Arbeit allein zu bewältigen, sagte er. Halzen habe deshalb eine internationale Zusammenarbeit ins Leben gerufen und ein internationales Team aus Forschern und Ingenieuren geleitet.
Der Preis ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund eine Million Euro. Zum ersten Mal verkündete eine Frau die Preisträger für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften: Ellen Moons, die zum Jahresbeginn Generalsekretärin der Akademie wurde, die seit 1739 besteht. Im Vorjahr hatten John Clarke, Michel Devoret und John Martinis den Physik-Nobelpreis für ihre Arbeiten zur Quantenphysik erhalten.
Am Tag zuvor wurde bereits der Medizin-Nobelpreis vergeben; mehr zur Optogenetik als Lichtschalter für Nervenzellen lesen Sie in unserem Beitrag dazu.
Titelbild. Quelle: Wikimedia Commons. Urheber: John Hardin. Lizenz: CC BY 4.0.



