Ein Privatjet stößt in einer halben Stunde so viel CO2 aus wie ein Durchschnittsdeutscher in einem Jahr
Oxfam rechnet vor, wie Privatjets, Konsum und Beteiligungen von Milliardären das Klima treffen, und Fachleute nennen Wege zu einem sozial gerechten Klimaschutz.
Kurz gesagt
- Das reichste Prozent verursacht laut Kemfert etwa 17 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, die ärmere Hälfte nur acht Prozent.
- Oxfam untersuchte die Beteiligungen von 1.000 Milliardären an 1.095 Unternehmen und rechnet ihnen 486 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zu.
- Ärmere Menschen sind den Folgen stärker ausgesetzt, etwa durch schlechter gedämmte Wohnungen und geringere Rücklagen.
Privatjets, geräumige Wohnungen und vor allem Kapitalanlagen lassen Superreiche weit mehr zum Klimawandel beitragen als den Durchschnitt, während ärmere Menschen unter den Folgen stärker leiden. So lautet das Ergebnis einer Berechnung von Oxfam, die tagesschau.de aufgreift. Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt dazu: „Die Reichen sind nicht alleine schuld an der Klimakrise, aber sie tragen eine enorme Verantwortung“.
Privatjets als sichtbarstes Symbol
Leonie Petersen, die bei Oxfam als Referentin für sozial-ökologische Transformation arbeitet, urteilt: „Nichts symbolisiert den klimaschädlichen Lebensstil der Überreichen eindrücklicher als das“. Die dazugehörigen Zahlen entstammen dem Bericht von Oxfam.
Um die Größenordnung zu verdeutlichen, führt Oxfam an: Private Flugzeuge setzen weltweit binnen zwei Sekunden mehr CO2 frei, als auf eine Person aus der ärmeren Hälfte der Menschheit während eines kompletten Jahres entfällt. Für Deutschland gilt: Schon eine halbe Stunde Jetbetrieb reicht, um mehr CO2 zu erzeugen als ein durchschnittlicher Mensch in zwölf Monaten. Als Grundlage dient Oxfam ein Ausstoß von 9,9 Tonnen pro Kopf und Jahr, wie Express berichtet.
Wer wie viel verursacht
Nach Kemfert verursachen die reichsten zehn Prozent der Menschen weltweit fast die Hälfte der CO2-Emissionen. Für Deutschland nennt Oxfam ein ähnliches Gefälle.

| Gruppe | Anteil bzw. Verhältnis |
|---|---|
| Reichstes Prozent weltweit | etwa 17 Prozent der Emissionen |
| Ärmere Hälfte weltweit | acht Prozent der Emissionen |
| Reichstes 0,1 Prozent in Deutschland | 52-mal so viel CO2 pro Person wie die ärmere Hälfte |
Das unsichtbare Gewicht der Geldanlagen
Oxfam hat ausgewertet, an welchen von 1.095 Unternehmen sich 1.000 Milliardäre beteiligen. Im Jahr 2025 gingen etwa 71 Prozent ihrer Geldanlagen in Sektoren mit besonders hoher Klimabelastung, darunter Öl, Gas und Chemie. Insgesamt werden ihnen 486 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zugerechnet; mit dieser Einheit lässt sich die Erderwärmung durch unterschiedliche Treibhausgase auf die Wirkung von CO2 umrechnen. Die Ausstöße der Firmen werden den Anteilseignern entsprechend ihrer Beteiligung zugeschrieben.
49 der untersuchten Milliardäre stammen aus Deutschland. Ihre Emissionen aus Investitionen betrugen durchschnittlich etwa 705.000 Tonnen CO2-Äquivalente und damit ein Vielfaches des weltweiten Mittelwerts. Kemfert hebt hervor: „Also es geht eben nicht nur darum, wie Menschen leben, sondern auch darum, wohin ihr Geld fließt“.
Wer die Folgen trägt
Oxfam zufolge sterben in Staaten mit stärkerer Ungleichheit siebenmal mehr Menschen bei Überschwemmungen als in Staaten mit geringerem Gefälle. Petersen führt aus, dass ärmere Menschen öfter in Häusern mit schlechter Dämmung leben, Modernisierungen nicht einfach bezahlen können und nach einem Unglück über geringere finanzielle Polster verfügen. Wohlhabendere siedeln dagegen eher in Regionen, die seltener von Trockenheit oder Hochwasser getroffen werden.
Lösungsansätze im Vergleich
Oxfam verlangt eine höhere Besteuerung großer Vermögen und von Privatjets. Mit dem Geld soll der klimafreundliche Umbau bezahlt werden, ebenso der Umgang mit den Schäden. Manuel Schmitt von Oxfam erklärt: „Wer die Klimakrise so stark befeuert, muss auch für ihre Bewältigung zahlen, statt die Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen“. Kemfert schlägt andere Maßnahmen vor:
- Abbau klimaschädlicher Subventionen wie des Dienstwagenprivilegs und des Tankrabatts
- ein vergünstigtes Deutschland-Ticket
- Social-Leasing, also vergünstigtes Leasing von Elektroautos
- ein sozial gestaffeltes Klimageld für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen
Oxfams Ansatz: Vermögen und Privatjets besteuern, damit Verursacher für die Bewältigung zahlen.
Kemferts Ansatz: Subventionen abbauen und Ärmere über Klimageld, Ticket und Leasing entlasten.
Die Wirksamkeit dieser Instrumente ist in der Berichterstattung nicht belegt. Mit Blick auf Privatjets hat Oxfam an anderer Stelle auf die Reichweite des Problems hingewiesen, mehr dazu steht im Beitrag über die Oxfam-Analyse zu Privatjets. Kemfert fasst das Ziel zusammen: Klimaschutz müsse sich lohnen und für alle bezahlbar und sozial gerecht sein.
Foto: Gus Flier / Pexels



